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Taking Woodstock

«Taking Woodstock»: 40 Jahre danach lässt sich Ang Lee vom legendären Festival inspirieren. Seine Komödie kommt ganz ohne Konzertmitschnitte aus und zeigt stattdessen, wie es wirklich war. 

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Sommer 1969. Neil Armstrong steht kurz davor, den ersten Fuss auf den Mond zu setzen. Derweil blüht auch dem kleinen, verschlafenen Bethel im Bundesstaat New York ein historisches Ereignis von ungeahnter Dimension.
Das konservative Kaff in den Catskill Mountains ist die Heimat von Elliot (Demetri Martin), einem Einzelkind immigrierter russischer Juden. Hierher ist er zurückgekehrt, um das heruntergekommene Motel seiner Eltern (Imelda Staunton und Henry Goodman) wieder auf Vordermann zu bringen. Seine Mission in Bethel scheint ziemlich aussichtslos, wäre da nicht ein Musikfestival namens Woodstock.
Aus der Zeitung erfährt Elliot, dass der Ort Willkill den Organisatoren des geplanten Musikfestivals einen Korb erteilt hat. Kurz entschlossen bietet der gewiefte junge Mann dem Organisator Michael Lang (Jonathan Groff) und seinen Kumpanen das Gelände eines Farmers aus Bethel an.
Man wird sich einig und der legendärsten Musikparty aller Zeiten steht nichts mehr im Weg. Schnell spricht sich die gute Nachricht bei Musikfans und Hippies herum und sie pilgern in Scharen in die Kleinstadt.
Die Kasse des Motels klingelt, aber schon bald wächst die Hippie-Invasion den Organisatoren über den Kopf. Menschen, soweit das Auge reicht. Unter anderem mittels der Technik des Split Screen (aufgeteilter Bildschirm) setzt Ang Lee die ausgelassene Stimmung der Horde von Hippies filmisch passend um, ohne einen einzigen Konzertmitschnitt zu zeigen. Und während Bethel langsam im Chaos versinkt, bringt Elliot Ordnung in sein Leben und findet zu sich selbst.  
Inspiriert vom Mythos Woodstock und basierend auf dem Buch «Taking Woodstock: A true story of a riot, a concert and a life» von Elliot Tiber, ist Alleskönner Ang Lee eine wunderbare Sommerkomödie mit Platz für ein bisschen Sentimentalität gelungen. Obwohl der Regisseur vom LSD-Trip, über nackt herumrennende Ausdruckstänzer bis hin zu den obligaten Haschischplätzchen kein Hippie-Klischee auslässt, räumt er auf mit verklärten Unwahrheiten über das legendäre Woodstock-Festival und zeigt, wies wirklich war: Nämlich ein improvisiertes Chaos.
Der Film vermag durchaus auch Schuhe und Kurzhaarschnitt tragende Frauen und Männer zu begeistern, die nichts mit der Musik von Janis Joplin am Hut haben.
Dass die Komödie nicht zum Klamauk verkommt, ist nebst Ang Lees Sinn und feinem Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen auch den grossartigen Schauspielern zu verdanken. Emile Hirsch, der 2007 in Sean Pens «Into the Wild» und 2008 an dessen Seite in «Milk» als schwuler Aktivist brillierte, überzeugt als Vietnamveteran Billy, der unter einer posttraumatischen Störung leidet. Grandios auch Liev Schreiber als Tunte Wilma.
Doch im Zentrum steht der Comedien und Schauspiel-Neuling Demetri Martini, der einen liebenswerten Elliot abgibt. «Ich und Gras passen nicht zusammen», erklärt er einer Hippie-Dame, als sie ihm einen Joint anbietet. Woodstock und Ang Lee aber tuns wunderbar.

Info: im Kino Lido 2, Biel.

Simone Tanner
Stichwörter: Filmkritik

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