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"Slumdog Millionaire"

Ist es Glück, das Jamal Malik in «Slumdog Millionaire» zur Millionenfrage gebracht hat? Oder hat er betrogen? Nein, es ist Schicksal.

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"Slumdog Millionaire" (Video)
Seit zehn Jahren fiebert das Publikum weltweit beim ursprünglich britischen Sendeformat «Wer wird Millionär?» mit jener Person auf dem «heissen Stuhl» mit, deren Wissen oder meist Nichtwissen so vor der ganzen Nation ausgebreitet wird.
Nun bringt der britische Regisseur Danny Boyle mit «Slumdog Millionaire» die spannende und aufwühlende Verfilmung einer Geschichte ins Kino, die in ihrem Kern um die indische Version von «Who wants to be a Millionaire» kreist. Der Film basiert auf dem Roman «Rupien, Rupien» des indischen Autors Vikas Swarup und erklärt in biografischen Rückblicken, wieso ein Junge aus den Slums von Bombay es schafft, in der Sendung jede einzelne Frage richtig zu beantworten.
«Slumdog Millionaire» zeigt, dass Bildung ein relativer Begriff ist, und dass so manches Wissen mit Blut, Schmerz und Tränen erkauft wird. Das Publikum wird mit enormer Wucht in einen der dramatischsten Momente von Jamal Maliks (Dev Patel) Leben geworfen. Gänzlich ohne Vorgeplänkel steht Jamal schon in der ersten Filmszene vor der letzten Frage, die entscheidet, ob der mausarme Teeträger plötzlich zum Millionär wird. Wieso er es überhaupt soweit gebracht hat, welche Rolle dabei sein Bruder Salim und Jamals verlorene Liebe Latika spielen und weshalb er es schlussendlich doch schafft, obwohl er die Antwort nicht weiss, erzählt Regisseur Boyle in der Folge mit einer eindringlichen Bildsprache und einem umwerfenden Humor. Der Film ist ein kleines Meisterwerk. Nicht nur, weil «Slumdog Millionaire» in jeder denkbaren Hinsicht bei Kamera, Schnitt oder Musik gut gemacht ist und die Rollen eindringlich gespielt werden. Er ist es, weil ihm das seltene Kunststück gelingt, mit einer eigentlich banalen Geschichte ein ganzes Kaleidoskop aus Schicksalen und menschlichen Charakteren zu verweben. Dabei hat Boyle auch noch die Chronologie der Ereignisse komplett aber völlig stimmig auf den Kopf gestellt und ein Filmdokument ohne verklärenden oder beschönigenden Blick über das echte Indien geschaffen, dass so noch selten zu sehen war, vor allem nicht im Kino.
Regisseur Boyle hat schon mehrfach gezeigt (siehe Infobox), dass er umzugehen weiss mit der implosiven Dynamik bei Menschen, die gezwungen durch äussere Umstände über sich selbst hinauswachsen müssen.
Die Rollen der drei Hauptfiguren werden in den drei Altersstufen von unterschiedlichen Schauspielern dargestellt, die dennoch mit grösster Leichtigkeit ineinander zu verschmelzen scheinen. Garniert wird der unterhaltsame und kurzweilige Film mit dem wunderbaren Irrfan Khan  als Polizeiinspektor und einem herrlich Janusköpfigen Anil Kapoor als Moderator der Sendung.

Info: Im Kino Lido 2, Biel.

Sonja Wenger
Stichwörter: Filmkritik

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