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Filmkritik

Savages

Regisseur Oliver Stone begibt sich mit seinem neuen Film «Savages» erneut auf ein Schlachtfeld. Dabei verstricken sich drei junge Amerikaner in die Geschäfte mexikanischer Drogenbarone.

Ja ja, mit so Zigarettenrauch kann man allerhand Listiges anstellen.

Oliver Stone mag Schlachtfelder. Ob Vietnam ( «Platoon»), der Finanzmarkt («Wall Street»), die Medienlandschaft («Natural Born Killers»), das Football-Feld («Any Given Sunday»), das griechische Altertum («Alexander»), oder New York («World Trade Center») – überall werden grosse und kleine Kriege geführt, die sich wie ein blutroter Faden durch Stones Filmografie ziehen. Auch sein neues Werk passt in dieses Schema, obschon am Anfang die Idylle vorherrscht. Chon (Taylor Kitsch), ein von mehreren Einsätzen seelisch zerfressener US-Navy-Seal, lebt mit seinen besten Freunden Ben (Aaron Johnson) und Ophelia (Blake Lively) im kalifornischen Laguna Beach. Beide Männer sind O, wie sich Ophelia am Anfang zweideutig aus dem Off selber vorstellt, hemmungslos verfallen. Sie geniesst die Liebe der jungen Burschen zu gleichen Teilen – nicht selten unter Drogen, die die drei mit hochwertigem Saatgut, das Chon aus Afghanistan mitgebracht hat, selber anbauen. Das «beste Gras der Welt», wie Chon es zu Recht nennt, findet überall reissenden Absatz, was die jungen «Wilden» (engl. «Savages») rasch zu reichen Leuten macht. Aber sie vermiesen mit ihrer Ware den mexikanischen Drogenkartellen die Einnahmen, was vor allem Elena (Salma Hayek), der Chefin des Baja-Kartells, missfällt. Ein Versuch, mit den jungen Leuten ins Geschäft zu kommen, scheitert. Also versucht es Elena auf die harte Tour und nimmt O als Geisel. Chon und Ben schreiten zum Gegenangriff, der bald zu einem perfiden Psycho-Duell mit blutigen Konsequenzen ausartet – die Idylle wird zum Kriegsschauplatz. Der Titel des Films trifft nicht nur für die Protagonisten zu, sondern auch für den Filmemacher. Stone erzählt seine Geschichte technisch gewohnt superb – mit raschen Schnitten, verzerrten Bildern in grell-satten Farben, virtuos montiert und mit einer Tonspur, die oft den grösseren Effekt hat als die Bilder, die sie beschallt. Stone lebt hier seine «wilde» Seite wieder mehr aus als in seinen letzten, ruhigeren Filmen «World Trade Center» oder «Wall Street: Money Never Sleeps». Und wo Krieg ist, ist auch die Gewalt nicht weit. Stone zeigt wie immer viel, aber zum Glück nicht ganz alles. So ist «Savages» zwar brutal, aber nicht unerträglich. Und wie so oft bei Stone machen die Rollen der «Bösen» auch in «Savages» viel her. Als kaltblütige Drogenbaronin Elena, die ihre geplagte Seele offenbaren darf, spielt Salma Hayek eine der besten Rollen ihrer Karriere. Benicio del Toro («Sin City») reiht als Elenas rechte Hand eine weitere, grossartige Schurkenrolle in sein Repertoire ein, und John Tavolta gibt den korrupten Drogenfahnder Dennis, einen alglatten Ränkeschmied, der seine Verletzlichkeit in der Liebe zu seiner Familie verrät. Bei einem derart furios aufspielenden Ensemble haben es die jungen Darsteller Taylor Kitsch, Blake Lively und Aaron Johnson nicht leicht. Dies liegt auch an ihren Rollen, die oft schemenhaft bleiben. Alle drei machen ihre Sache gut, bleiben aber sichtlich hinter den Leistungen der gestandenen Stars zurück. Mit «Savages» hat Oliver Stone zwar keinen ganz grossen Film gedreht, dafür ist er trotz seiner hohen Qualität inhaltlich zu banal. Aber er hat mit dem Schlachtfeld der Drogenkartelle in Mexiko ein weiteres Kriegsgebiet abgehakt.


Info: In den Kinos Rex 1 und 2, Biel. Auch in Grenchen.

Roger Duft

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