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Quantum of Solace

«Quantum of Solace» – der neue Bond ist da. «Unser» Marc Forster hat die Aufgabe überzeugend gelöst. Allerdings müssen Fans des alten 007 tapfer sein. Es gilt Abschied zu nehmen.

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Quantum of Solace (Video)
Moskau, Bregenz, Bolivien, Haiti, Mexiko, Toskana, Siena: James Bond kann sich wieder einige Stempel in seinen Pass machen lassen. Zumindest hier bleibt sich die 007-Serie treu: Wenn der Geheimagent loslegt, geht’s einmal um die Welt. Doch das wär’s dann auch schon.
Bereits mit dem Startfurioso - Bond liefert sich in einem Aston Martin eine Verfolgungsjagd mit einem Alfa Romeo und landet schliesslich in einem Steinbruch – löst Marc Forster sein Versprechen ein: Es wird ein harter, staubiger und steiniger Weg für James Bond. Nachdem er von Vesper, der Frau, die er geliebt hat, betrogen worden ist (der Schluss von «Casino Royale»), dürstet er nach Rache.
Doch bis 007 dazu die Möglichkeit hat, gilt es, die mysteriöse Organisation, die Vesper erpresst hat, zu enthüllen. Bond fährt also um die Welt, wird verwechselt, geschlagen, betrogen und beschossen, macht die Bekanntschaft einer resoluten Frau (Olga Kurylenko), die ebenfalls eine Vendetta führt und endet schliesslich mit dem Chefdrahtzieher (Mathieu Amalric) in einer scheinbar endlosen Wüste in Bolivien: Die Möglichkeit zur Abrechnung ist da.
Klingt nach echtem Bond – und doch ist alles anders. Kein «Mein Name ist Bond, James Bond» mehr, keine futuristischen Spielzeuge für grosse Jungs mehr, keine Miss Moneypenny mehr. Die Zahl der Frauen ist drastisch reduziert, Sex findet nur einmal und erst noch ohne Kameras statt, Alkohol wird mehr als zurückhaltend konsumiert, das traditionell süffige Ende auf einem Boot mit Meeresrauschen und Schirmchendrink ist ganz gestrichen und für Camille (Kurylenko) reicht es knapp für ein Küsschen.
Auch die Bösewichte sind bar jeglichen Glamours und Fanatismus: Kein Blofeld, kein Scaramanga, kein Max Zorin. Mathieu Amalric gibt den rücksichtslosen Geschäftsmann Dominic Greene, der sich – nomen est omen – als Retter der Umwelt präsentiert, sich dabei hinterrücks die Wasserrechte in ganz Südamerika unter den Nagel reisst und mit jedem ins Bett steigt, der ihm nützt. Berechnend, unaufgeregt, abgeklärt. Klimawandel statt Kalter Krieg, Kampf ums Wasser statt ums Öl. Das sind die Themen der Stunde.
Marc Forster hat die Marke «Bond» entkernt. «Quantum of Solace» ist – noch stärker als «Casino Royale» - ein gradliniger, packender, überaus effizienter und zugleich witziger Actionfilm von zwei, die auf Rache sinnen und dabei doch keine Erlösung finden.
Die Balance zwischen hektischen Schnitten im Halbsekundentakt und langsamen Kamerafahrten über ausgedörrte Landschaften überzeugt, dass den Dialogen mehr Platz eingeräumt wurde, gefällt. Forster hat damit bewiesen, dass er auch dieses, von ihm alles andere als bevorzugte Genre beherrscht. Dass der Film bezüglich Ausstattung ein Hingucker werden würde, durfte man aufgrund der bisherigen Werke von Marc Forster annehmen.
Der Schweizer macht aus Bond also einen… – ja, was eigentlich? Einen Mann aus Fleisch, Schweiss und Blut, mit Emotionen und Flecken auf dem weissen Hemd.
Die Zitate im Film sprechen dabei eine eindeutige Sprache: Bond wird in Frage gestellt («Kann ich Ihnen vertrauen?»/M), analysiert («Bond ist ausser Kontrolle»/britischer Aussenminister) und bedauert («Ich würde dich gerne befreien»/Camille). Und er sagt über sich selber: «Ich habe keine Freunde».
Nichts mehr da von Nonchalance, Snobismus und Glamourboy. Das süffisante Grinsen ist weg, das Strahlen und die Überheblichkeit ebenso. Ob die Fans dies goutieren, ist alles andere als klar. Denn Abschiede fallen bekanntlich schwer.
Raphael Amstutz

Info: Der Film läuft ab nächstem Donnerstag gleichzeitig in drei Bieler Kinos (Rex 1; Originalversion. Lido 1: französische Version. Lido 2: deutsche Version). Im Rex 1 wird neu eine Vorstellung bereits um 12 Uhr stattfinden (Lunchkino mit Sandwichangebot).
Stichwörter: Filmkritik

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