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Knowing

Nicolas Cage steht in «Knowing» vor einem Rätsel: Was soll dieses Blatt voller Zahlen? Bald ist er der Einzige, der die Welt retten kann. Oder doch nicht?

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Die Antwort ist Ja. Die Frage dazu gibt es am Schluss.
Schreck geweitet die Augen, blutig die Finger, stumm der Mund. Das seltsame Mädchen versucht panisch, mit seinen Nägeln eine Zahlenreihe in eine Holztüre zu ritzen, da ihr das Blatt Papier entrissen wurde. Das Kind hat beim «Zeitreise»-Experiment einer Schule mitgemacht. Die Aufgabe: Wie stellt ihr euch die Welt in 50 Jahren vor. Alle Dokumente werden schliesslich in einen Behälter gesteckt und auf dem Schulhof vergraben. Statt aber wie alle anderen ein lustiges Raumschiff zu zeichnen, gibt Lucinda ein Blatt voller Zahlen ab.
2009. Die «Zeitkapsel» wird 50 Jahre später geöffnet und Caleb, der Sohn von John Koestler (Nicolas Cage) kommt in den Besitz des seltsamen Schriftstückes. Bald pfeift und murmelt es in seinem Hörgerät und er sieht dunkel gekleidete Männer, die im Wald stehen und in sein Zimmer starren.
Glücklicherweise ist Koestler ein begnadeter Wissenschafter. Ist alles im Leben vorbestimmt und folgt einem Plan oder sind wir einem willkürlichen Chaos ausgesetzt? Determinismus versus Freiheit/Zufall. Mit dieser Frage aus der Königsklasse der ungelösten Rätsel beschäftigt sich der alleinerziehende Vater. Seit seine Frau in einem Hotelbrand gestorben ist, ist er überzeugter Anhänger der Chaostheorie. Doch als er sich die Zahlen genauer ansieht, steht – Internet sei Dank – bereits eine Nacht später die grausige Tatsache fest: Hinter dem Durcheinander sind alle grossen Katastrophen der letzten fünf Jahrzehnte aufgelistet, inklusive Datum, Ort und Anzahl Todesopfer. So schlimm das auch ist: Zumindest sind es vergangene Ereignisse. Fast. Denn drei Daten stehen noch bevor…
Es ist keine kleine Bürde, die Nicolas Cage plötzlich zu tragen hat. Schliesslich ist er nicht weniger als der potenzielle Retter der Welt. Und so hört man ihn denn auch einmal bedeutungsvoll seufzen: «Wie soll ich den Weltuntergang aufhalten?» Doch er stellt sich dem aussichtslosen Spiel und wird zum gehetzten Propheten wider Willen.
Werden allerdings Weltuntergangtheorien laut ausgesprochen, führt das erfahrungsgemäss eher zur Diagnose «psychisch krank» als zu grossem Verständnis. Und so kämpft der Astrophysiker gegen das Misstrauen seiner Forscherkollegen, gegen die Ignoranz der Polizei, gegen die Zeit, aber für das Leben seines Sohnes, dem in der ganzen Geschichte eine zentrale Rolle zuzufallen scheint.
«Knowing» beginnt richtig gut: visuell beeindruckend, handwerklich solide und inhaltlich spannend. Macht unser Leben hienieden überhaupt Sinn? Wie gross ist unser Gestaltungsspielraum? Sind wir alle gar nur Marionetten? Der Film lädt zum Gedankenexperiment.
Leider verliert «Knowing» seinen Anfangsschwung bald. Nicolas Cage schaut nur noch bestürzt in die Kamera, schwarze Kieselsteine kommen unheilsschwanger ins Spiel und die Stringenz geht flöten.
Am Ende franst «Knowing» gar völlig aus. Die Auflösung wirkt in ihrer Penetranz je nach Leseart unfreiwillig komisch, kitschig oder einfach peinlich. Zumindest lernen wir: Unschuldigen Kindern und weissen Kaninchen gehört die Zukunft.
Ach ja, die Frage zur Antwort: Sollte solche Filmmusik verboten werden?

Info: im Kino Rex 1, Biel. Auch in Lyss

Raphael Amstutz
Stichwörter: Filmkritik

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