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Jaffa

Eine junge Israelin liebt in «Jaffa» einen Araber. Doch die Liebe muss geheim bleiben. Und das führt geradewegs in den Abgrund. Ein Film aus einer heillos zerstrittenen Welt.

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Wer bei uns das Wort «Jaffa» hört, der denkt wohl zuerst einmal an süsse Orangen. Und dann vielleicht an eine Stadt in Israel. Im gleichnamigen Film von Regisseurin Keren Yedaya gibt es keine süssen Früchte. Jaffa ist hier eine Stadt, die kein schönes Gesicht erhält: sie steht sozusagen als Symbol für eine schrecklich zerstrittene israelische Gesellschaft, in der das Unheil in Form von offenem oder unterdrücktem Rassismus schwelt.
In Jaffa, heute ein Vorort von Tel Aviv, siedelt Keren Yedaya ihre Geschichte an (siehe Infobox). Und das ist kein Zufall. In der Stadt leben noch heute rund 20 000 «arabische Israelis» – es sind die Nachfahren jener Araber, welche die Stadt nach der Staatsgründung von Israel 1948 verlassen hatten. Heute fühlen sich die Zurückgebliebenen oft als in Israel lebende Palästinenser. Und obwohl Juden und Araber in dieser Stadt meist friedlich zusammenleben, brodelt es unter der Oberfläche. Keren Yedayas Film ist sozusagen eine Visualisierung dieses schwelenden Konflikts. An der Geschichte einer israelischen Familie, die in Jaffa eine Autoreparaturwerkstatt führt, zeigt sie, was passiert, wenn die trügerische Ruhe und der oberflächliche Frieden gestört werden. Im Familienbetrieb sind zwei Araber angestellt, Vater Hassan (Hussein Yassin Mahajneh) und sein Sohn Toufik (Mahmoud Shalaby). Toufik liebt seit langem Mali (Dana Ivgy) die 21-jährige Tochter des Garagenbesitzers. Die beiden leben ihre Gefühle im Geheimen aus, weil die Beziehung von ihren Eltern nicht toleriert würde. Heimlich bereiten sie sich auch auf ihre Hochzeit vor, denn Mali ist schwanger. Doch dazu wird es nicht kommen. Malis Bruder Meir und Toufik geraten sich eines Tages in der Garage brutal in die Haare und Toufik landet in der Folge im Gefängnis. Dann macht «Jaffa» einen Zeitsprung –  neun Jahre in die Zukunft…
Keren Yedayas Film ist nun keineswegs so aufgebaut, dass Schuldzuweisungen einseitig verteilt würden. Hassan und Toufik, die beiden Araber, reden nicht viel, gehorchen fast immer, sind froh, irgendeine Arbeit zu haben. Viel erfahren wir nicht über ihre Herkunft, sie bleiben fast ein wenig gesichtslos. Ein Sinnbild für die unterdrückte Minderheit?
Ganz anders sieht es mit der israelischen Familie aus: hier zeichnet die Regisseurin ein Porträt einer hochgradig zerstrittenen Sippe: eine dominante Mutter, die ihre Kinder verbal verletzt, ein Sohn (Meir), der mehr geduldet denn respektiert wird und offen zu seinem Rassismus steht; eine Tochter (Mali), die unter ihrer heimlichen Liebe leidet und ein Vater, der immer schlichtet und vermittelt und dabei nicht merkt, dass ihm die Kontrolle sowohl im Betrieb als auch in der Familie langsam entgleitet. Nicht zufällig eskaliert die Situation in der Garage, nachdem der Sohn zu Hause wieder einmal von seiner Mutter gedemütigt worden ist: das «geschlagene» Kind schlägt dann seinerseits einen Minderwertigen – Toufik eben.
Der Film, als klassisches Melodram aufgebaut, kann sicher als Parabel auf die israelische Gesellschaft gelesen werden, in der sich zwei verfeindete Volksgruppen mit dem bekannten Misstrauen begegnen. «Jaffa» ist aber auch ein Plädoyer für die Wahrheit und gegen falsch verstandene Familienehre: Die Liebe zwischen Mali und Toufik darf nicht sein. Sie ist ein Tabubruch. Man fragt sich bloss: warum eigentlich?
Ob sie schliesslich doch noch siegen wird, das lässt der Film offen – mit einem starken und berührenden Schluss.

Info: Im Kino Lido 2, Biel. Nur 15.30 und 17.30 Uhr.

Mario Schnell
Stichwörter: Filmkritik

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