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Inglourious Basterds

Kult-Regisseur Quentin Tarantino präsentiert mit «Inglourious Basterds» seinen ersten Kriegsfilm.

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Vor fast zwölf Jahren erwähnte Filmemacher Quentin Tarantino zum ersten Mal ein Filmprojekt, welches im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sei. Schon damals lautete der Titel «Inglourious Basterds», vorgesehen für die Hauptrollen waren Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger.
Nach mehrmaliger Überarbeitung des Drehbuchs hat sich aber einiges geändert. Schwarzenegger ist inzwischen als kalifornischer Gouverneur tätig und Stallone dreht, dank dem Erfolg der jüngsten «Rocky»- und «Rambo»Teile, wieder selbst munter Filme. So musste, gerade was das Casting anbelangt, einiges geändert werden.
In die Hauptrolle schlüpfte Hollywoodstar Brad Pitt. Seine Figur Lt. Aldo Raine ist der Anführer der «Basterds», einer Truppe von jüdischen Soldaten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Nazis für ihre Gräueltaten zu bestrafen. Zimperlich gehen sie dabei nicht gerade vor, schliesslich werden die feindlichen Soldaten nach Indianerart skalpiert. Ab und zu wird auch mal ein Nazi am Leben gelassen, gänzlich ohne Bestrafung kommen sie aber nicht davon: Aldo Raine markiert die Überlebenden dadurch, dass er ihnen mit seinem Messer ein Hakenkreuz in die Stirn ritzt. Überraschenderweise kriegt man die titelgebenden «Basterds» aber eher selten zu Gesicht: Wie bei Tarantino üblich, ist der Film in fünf Kapitel aufgeteilt, in zweien davon steht eine Parallelhandlung im Mittelpunkt: Hier wird man Zeuge vom Massaker an der jüdischen Familie Dreyfus, bei der einzig die Tochter Shosanna (Mélanie Laurent) überlebt. In dieser fast 20minütigen, beklemmenden Eröffnungsszene zelebriert Tarantino das Filmemachen richtiggehend. Leider kann er diese Qualität nicht über die gesamte Länge halten, etwa bei einem überlangen Trinkspiel der Nazis darf man sich fragen, ob dies die Handlung in irgendeiner Weise voranbringt. In einem unterhaltsamen Finale steigert sich der Film dann aber nochmals und alle offenen Handlungsstränge werden geschickt zusammengezogen.
«Inglourious Basterds» enthält alles, was von einem echten Tarantino-Film erwartet: Blut, ausufernde Dialoge und schräge Charaktere. Darüberhinaus wird auch mit Anspielungen auf Klassiker, insbesondere Italo-Western, nicht gespart. So ist bereits die Eröffnungsszene eine gelungene Hommage an Sergio Leones «The Good, the Bad and the Ugly». Das Highlight des Streifens ist aber ohne Zweifel die Figur des Judenjägers Hans Landa. Auf eine freundliche, schon fast sympathische Art wickelt er seine Opfer um den Finger, nur um diese kurze Zeit später rücksichtslos hinzurichten. Dargestellt wird Landa vom österreichischen Schauspieler Christoph Waltz, der mit seiner bravourösen Leistung gar Hollywood-Grösse Brad Pitt an die Wand spielt. Eine Oscar-Nomination als bester Nebendarsteller dürfte ihm sicher sein. Überhaupt gewinnt der Film enorm an dem internationalen Cast und daran, dass die Darsteller in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen. So wird zuweilen mehr Deutsch und Französisch gesprochen als Englisch.
Wem bereits frühere TarantinoFilme zugesagt haben, der wird auch mit «Inglourious Basterds» seinen Spass haben. Andere werden wohl nicht mehr als ein Kopfschütteln übrig haben – spätestens dann, wenn der Zweite Weltkrieg ein anderes Ende nimmt, als man es sich von Geschichtsbüchern gewohnt ist.
Allerdings sollte bereits zu Beginn klar werden, dass Tarantino den Realismus nicht in den Vordergrund stellt, schliesslich wird da die märchentypische Einleitung «Once upon a time...» eingeblendet. Notabene eine weitere Anspielung auf Sergio Leone-Klassiker.
Yannik Leibacher

Info: In den Kinos Rex 1/2.
Stichwörter: Filmkritik

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