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Filmkritik

The Hobbit: An Unexpected Journey

J.R.R. Tolkiens Fantasy-Universum kehrt fast ein Jahrzehnt nach dem letzten Leinwandauftritt mit «The Hobbit: An Unexpected Journey» zurück ins Kino. Das Resultat vermag aber nur bedingt zu überzeugen.

Jetzt geht es los: Noch bis im Juli 2014 ist Bilbo Baggins (Martin Freeman) auf grosser Entdeckungsreise.

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Als vor neun Jahren mit «The Lord of The Rings: The Return of The King» (LotR) die Verfilmung des letzten Buches aus der legendären Fantasy-Saga von J. R. R. Tolkien ins Kino kam, nahm ein Stück Filmgeschichte ein fulminantes Ende, das mit elf Oscars für den Abschlussfilm, symbolisch aber als Ganzes ausgezeichnet wurde. Lange Zeit wurde danach spekuliert, wie lange es wohl dauern würde, bis «The Hobbit», Tolkiens Vorgeschichte zum «Lord of The Rings», den Weg auf die grosse Leinwand finden würde. Die Umsetzung zog sich in die Länge. Aus zwei Filmen wurden schliesslich drei, und Peter Jackson, der nur als Produzent fungieren wollte, landete schliesslich wieder auf dem Regiestuhl.
Neun Jahre nach dem letzten Kinoauftritt erlebt Mittelerde mit «The Hobbit: An Unexpected Journey» nun die cineastische Wiedergeburt. Und schon in den ersten Momenten wird klar, dass hier nahtlos an die «LotR»-Vorgänger angeknüpft wird. Erneut ertönen die bekannten Klänge, für die Komponist Howard Shore zwei Oscars erhielt, und auch bildlich taucht Jackson in bewährter Manier in diese üppige Welt ein, und führt den Zuschauer über einen Prolog zurück in eine Zeit weit vor den Ereignissen aus der ersten Trilogie, als Frodos Onkel Bilbo Baggins (Ian Holm) noch jung und knusprig (Martin Freeman) war. Als das Zwergenreich Erebor vom monströsen Drachen Smaug angegriffen und zerstört wird, sucht eine Gruppe überlebender Kleinlinge mit Hilfe von Gandalf (Ian McKellen) den Hobbit auf, um bei der Befreiung ihrer Heimat aus den Klauen von Smaug, der sich im immensen Goldschatz der Zwerge eingenistet hat, zu helfen. Widerwillig nimmt Bilbo die Herausforderung an, und begibt sich mit Gandalf und den Zwergen auf eine abenteuerliche Reise, die zu bekannten, aber auch vielen bisher ungesehenen Mittelerde-Bewohnern führt. Technisch ist «The Hobbit: An Unexpected Journey» makellos geraten, und bietet gegenüber der «LotR»-Trilogie auch einige Neuerungen. Dass «The Hobbit» in 3D erscheinen würde, überrascht niemanden, und die monumentalen Bilder und Landschaftsaufnahmen profitieren eindrücklich von der gewonnenen Tiefe. Eine weitere Qualitätssteigerung verspricht die höhere Bildrate von 48 statt der bisher üblichen 24 Bilder pro Sekunde. Erste Vorführungen liessen aber vor allem kritische Töne erklingen. Der Hyper-Realismus nehme dem Film den Charme und den Bildern würde nun ein allzu klinischer «Fernseh-Look» anhaften. Hier muss eine Bewertung ausbleiben, da der Film in Bern der Presse nicht mit der höheren Bildrate gezeigt wurde. Ansonsten bleibt Peter Jackson dem gewohnten Look aber treu, was etwas antiquiert anmuten mag, aber am Ende nur konsequent ist. Ganz so kinderfreundlich wie das Buch geriet das Werk nicht, aber trotzdem geht es hier weit weniger grimmig, dafür oft umso lustiger zu und her als noch bei «The Lord of the Rings». Kritische Worte verdient der Film aber wegen seiner Überlänge von fast 170 Minuten. Gut 100 Buchseiten sind somit auf knapp drei Stunden «gestreckt» wurden. Kein Wunder, dass ob ellenlanger Dialog-Passagen und ausufernder Action-Szenen mehr als einmal Langeweile aufkommt. Dies kann auch die perfekte Machart nicht wettmachen. So bleibt ein etwas schaler Nachgeschmack bei dieser Rückkehr nach Mittelerde, die sich aber ansonsten dank ihrer Bildgewalt nicht nur des Nostalgie-Faktors wegen durchaus lohnt.

Info: In den Kinos Apollo, Beluga, Lido 1 und Rex 1, Biel. Auch in Grenchen und Lyss.

Roger Duft

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