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Happy-Go-Lucky

«Happy-Go-Lucky» heisst Mike Leighs neuer Film. Und er dürfte das Publikum ebenso spalten wie die BT-Kritiker. Weil er von einer Frau erzählt, die immer nur fröhlich ist.

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Manchmal hat man es als Filmkritiker nicht gerade leicht: Da wird ein Film an einem Festival hoch gelobt, erhält Preise und reisst das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. So geschehen am diesjährigen Filmfestival Berlin, wo «Happy-Go-Lucky» von Mike Leigh und insbesondere dessen Hauptdarstellerin Sally Hawkins frenetisch gefeiert wurden. Ja, und dann sieht man den Film in einem gewöhnlichen Kino mit gewöhnlichen Menschen zusammen, muss kaum lachen und fragt sich: Haben die denn in Berlin den selben Film gezeigt?

Doch das Problem lässt sich leicht eingrenzen: Weil der Streifen praktisch nur von der Präsenz seiner Hauptdarstellerin lebt, muss man sich schon sehr in diese Frau verlieben, um sie zwei Stunden lang aushalten zu können. Sally Hawkins spielt die gut dreissigjährige Lehrerin Poppy, die ein Dauergrinsen aufsetzt wie ein Teenager in einer Hochphase. Alles ist lustig, alles ist leicht, nichts und niemand bringt das Girl, pardon, die Frau, davon ab, mit dämlichen Sprüchen und flippigen Klamotten durch London zu ziehen. Wer nicht selber grinst, wird von ihr angemacht, und wer ihr etwas beibringen will, wie ihr Fahrlehrer (grossartig: Eddie Marsan), den treibt sie mit ihrem zickig-überdrehten Verhalten zur Weissglut. Polly ist also eine Frau, die mit ihrer penetranten Fröhlichkeit auf die Nerven geht, und zwar gehörig.

Nicht, dass wir etwas gegen fröhliche Menschen hätten, aber bitte mit Augenmass: Es gibt auch Situationen, in denen gibt es einfach nichts zu lachen. Bis Polly das merkt, ist der Film praktisch zu Ende und der Filmkritiker lässt sich wegen ein paar nachdenklichen Filmminuten am Schluss nicht mehr umstimmen: Diese Komödie ist ziemlich überflüssig, schlecht durchdacht und letztlich unglaubwürdig.

Wie bitte? Sie glauben das nicht? Weil sie noch keine schlechte Kritik über den Film gelesen haben? Hm, da haben Sie Recht. Auch auf der BT-Redaktion sind wir uns nicht einig: Eine Kritikerin und ein Kritiker sind glücklich aus dem Kino gegangen, zwei haben sich geärgert (siehe Sternchen). Da bleibt der verehrten Leserschaft wohl nichts anderes übrig, als die Sache selber nachzuprüfen – am besten im Kino.

Mario Schnell
Stichwörter: Filmkritik

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