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Filmkritik

A Good Day to Die Hard

Bruce Willis wird wieder zu John McClane und macht erneut Jagd auf böse Buben. Trotz blutverschmiertem Gesicht und markanten Sprüchen entfernt er sich immer mehr von der Grundidee der Filmreihe.

Er kann es immer noch: John McClane (Bruce Willis). Doch was nützt das, wenn das Drehbuch nicht überzeugt?

Was der «Die Hard»-Kenner bereits seit dem Erstling von 1988 weiss: Der bissige Bulle John McClane ist Vater und nach 25 Jahren kann man dem Nachwuchs schon mal eine ordentliche Leinwandpräsenz gewähren. So kommt Sohnemann Jack in den Genuss, die Kumpel-Rolle zu übernehmen. Der Sprössling mit dem breiten Kreuz lebt in Moskau und will mit seinem Vater gar nichts zu tun haben. Aber John möchte endlich ein klärendes Gespräch mit dem Sohnemann führen und reist nach Russland. Zumal sein eigen Fleisch und Blut ins Gefängnis soll, da dieser in einen Mordfall verwickelt wird. Dort angekommen, ist McClane wieder einmal zur falschen Zeit am falschen Ort. Jack soll als CIA-Agent einen Russen namens Komarov vor dem Tod retten und ihm wichtige Akten abnehmen. Denn mit diesen lässt sich der amtierende Regierungschef stürzen, der mit Mütterchen Russland gar nichts Gutes im Schilde führt. Es kommt, wie es kommen muss: Seite an Seite ballern sich Vater und Sohn durch eine Horde böser Buben, lassen Explosionen und Scherbenhaufen hinter sich und haben immer noch Zeit für ein kurzes Vater-Sohn-Gespräch am Rande.
Bruce Willis passt immer noch in ein weisses Unterhemd und überzeugt auch im fortgeschrittenen Alter als leicht ergrauter Actionheld in seiner Rolle. Aber: Nicht überall, wo «Die Hard» drauf steht, ist auch «Die Hard» drin. Der fünfte Teil entfernt sich am weitesten vom Original, das Ende der 80er-Jahre Bruce Willis zum internationalen Durchbruch verhalf. Der Erstling war vollgepackt mit wundervoll ironischen Dialogen, hatte eine fesselnde Geschichte mit unzähligen unvorhersehbaren Wendungen. Das jüngste Abenteuer lässt solche liebgewonnenen Merkmale schmerzlich vermissen. Die Geschichte dümpelt stumpfsinnig  und ohne originelle Drehbucheinfälle vor sich hin.
«A Good Day to Die Hard» hat durchaus seine nostalgischen Momente: Wenn McClane sich mit blutigem Gesicht aus einem Autowrack befreit oder nach einer Explosion stöhnend unter den Trümmern auf allen Vieren hervorkriecht, wird pure «Die Hard»-Atmosphäre verbreitet und Hoffnung keimt auf. Doch schnell wird diese erstickt, als der Über-McClane jegliche Schmerzen wegsteckt. Hat er in den Vorgängerfilmen ständig nach Aspirin oder anderen schmerzstillenden Mitteln verlangt, scheint er nun gegen jeglichen körperlichen Kummer immun geworden zu sein. Für Details hat das knappe Drehbuch ohnehin keinen Platz. Vater und Sohn hetzen von Schauplatz zu Schauplatz und hauen sich ein paar gefühlvolle Dialoge um die Ohren, bevor sie wieder losballern. Über das filmische Handwerk darf man staunen: Da werden eine rasante Autoverfolgungsjagd mit wuchtigem Ausgang, eine Flucht aus einem alten Gebäude unter heftigem Beschuss oder das irre Finale mit überdrehter Akrobatikaktionen zur perfekten Achterbahnfahrt. Fanden die ersten beiden Filme noch auf einem begrenzten Territorium statt, hat sich seit dem dritten Teil die Serie zu einer grossflächigen Schnitzeljagd mit Effekthascherei ausgedehnt. Hat dies im vierten Kapitel noch ansatzweise funktioniert, entfernt sich der jüngste Film noch mehr von der Grundidee. «A Good Day to Die Hard» ist zweifellos unterhaltsames und kurzweiliges Kino mit einem Bruce Willis in Höchstform, der seinen Sohn locker an die Wand spielt. Dennoch: Die Charaktere sind in dieser Geschichte voller Abstrusitäten und Logiklöcher austauschbar. Traurig aber wahr: Die «Die Hard»-Seele hat sich noch weiter von der Grundidee entfernt und schimmert kaum mehr durch den Zelluloidstreifen. Auch wenn Anspielungen auf frühere Werke und lieb gewonnene Standardsätze Nostalgiegefühle aufflackern lassen, die Fans sollten von einem sechsten Teil verschont werden.  


Info: In den Kinos Apollo, Beluga und Palace, Biel; auch in Lyss.

Simon Dick

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