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Frost/Nixon

«Frost/Nixon» ist die Geschichte des wohl berühmtesten TV-Duells. Ein Talkmaster und ein ehemaliger US-Präsident kämpfen um ihre Zukunft. Ron Howard hat daraus einen spannungsgeladenen Film gedreht.

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Frost/Nixon (Video)
1972 erschütterte die Watergate-Affäre nicht nur eine ganze Nation, sondern zwang in der Folge auch deren Präsident, Richard Nixon, zum Rücktritt. Vorgeworfen wurde ihm, geheime Konten, illegale Parteispenden, Lauschangriffe und den legendären Einbruch in das Watergate-Gebäude, dem Hauptquartier der Demokratischen Partei, nicht nur geduldet sondern gar initiiert zu haben.   
Zwei Jahre später tingelt Richard Nixon (Frank Langella) gelangweilt von Kongress zu Kongress, um damit einerseits Geld zu verdienen und andererseits wenigstens noch ein bisschen vom heiss geliebten Rampenlicht zu erhaschen.
Da kommt ein Interview-Angebot des englischen TV-Talkmasters David Frost (Martin Sheen) gerade recht. Nicht nur kann Nixon damit eine halbe Million Dollar verdienen, auch sieht er endlich die Chance zu seiner Rehabilitation gekommen. Und David Frost, der eher als Unterhalter denn hartnäckiger Polit-Journalist bekannt ist, scheint ein ebenso einfacher wie politunerfahrener Gegner zu sein. Frost seinerseits hofft mit dem Interview, seine stockende Karriere als Unterhalter wieder in Gang zu bringen, gleichzeitig steckt er sich zum Ziel, Nixon das Strafverfahren zu liefern, das er nie bekommen hatte.
Regisseur Ron Howard («Apollo 13», «A Beautiful Mind») macht aus dem TV-Duell dieser beiden ungleichen Kontrahenten einen spannungsgeladenen Kinofilm, den er eher als Boxkampf zweier Verbissener denn als Polit-Interview inszeniert. Er stützt sich dabei hauptsächlich auf das Theaterstück «Frost/Nixon» von Peter Morgan («The Queen», «The Last King of Scotland»), der auch das Drehbuch geschrieben hat. Kommt dazu, dass die beiden Hauptdarsteller Frank Langella und Michael Sheen ihre Rollen auch schon in der Theaterversion spielten.
Diesem Quartett gelingt es, die Geschichte des wohl berühmtesten TV-Duells auch einem politisch uninteressierten Publikum packend nahezubringen. Hier der verbissene, machthungrige und von seiner unrühmlichen Vergangenheit gezeichnete Ex-Präsident. Dort der seichte, den schnellen Ruhm und das grosse Geld suchende Talkshowmoderater und Playboy. Langella und Sheen spielen diese beiden Charaktere brillant. Langella erhielt dafür gar eine Oscar-Nomination. Wie sich die beiden, insbesondere während der Drehtage des Interviews, auch fernab der Fernsehkameras mit persönlichen, provozierenden und oft auch unter die Gürtellinie zielenden Bemerkungen duellieren ist ganz grosse Klasse. Und lange, nämlich genau bis zum letzten Drehtag, sieht es so aus, als ob der ehemalige Präsident als grosser Gewinner dastehen wird. Doch dann gelingt es Frost, Nixon so sehr aus der Fassung zu bringen, dass dieser zu seinen Fehlern steht, emotional sozusagen zerbröckelt und sich die Last mit den Worten «Ich habe das amerikanische Volk enttäusch und, noch schlimmer, unser Regierungssystem» von der Seele redet.
Auch wenn Ron Howard die  tatsächlichen Fakten zugunsten der Dramaturgie manchmal arg verfremdet und die Ereignisse etwas gar willkürlich zusammenrafft, «Frost/Nixon» bleibt durchwegs glaubwürdig, spannend, grandios.

Info: Im Kino Lido 1, Biel.

Beat Felber
Stichwörter: Filmkritik

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