Der Bürokrat Wikus van der Merwe (Sharlto Copley) leitet die Operation, um die insektenartigen Aliens ausserhalb der Stadt in ein neues Lager zu verlegen. Als er jedoch bei einer wilden Aktion mit einer seltsamen Flüssigkeit in Berührung kommt, beginnt sich sein Körper zu transformieren und er wird plötzlich selber zum Gejagten.
Wild und schmutzig beginnt der Film: Bis es zum Kontakt mit der Flüssigkeit kommt, dominiert eine verwackelte Handkamera die Filmsprache und setzt den Zuschauer in den Glauben eine Dokumentation zu konsumieren. Die konstruierten Live-Bilder werden immer wieder mit kurzen Statements von Experten, Wissenschaftlern und Zeitzeugen unterbrochen.
Damit tritt der Film zielgerichtet in die Fussstapfen von «Cloverfield», jener Horrorfilm, der 2008 kompromisslos nur mit einer Handkamera gedreht wurde. Hat «District 9» aber einmal ihren ersten Höhepunkt erreicht, bleiben die verwackelten Bilder im Hintergrund und der Film wird zum unkonventionellen Science Fiction-Film.
Während im ersten Teil noch Sozialkritik geübt und der Film den moralischen Zeigefinger zu heben scheint (eine Parabel auf Südafrikas Vergangenheit), wird im weiteren Verlauf der Handlung mit genreüblichen Zutaten um sich geworfen. Diese Gratwanderung vollzieht sich jedoch äusserst subtil und mit geschmeidigem Übergang: Von der Aufklärung über reale soziale Missstände hin auf die reine Unterhaltungsschiene.
Der eine mag sich daran stören, der andere wird erfreut sein. Egal ob man auf kritische Filme aus dem Science Fiction-Genre steht oder doch lieber die seichte Unterhaltung bevorzugt. Keine Vorlieben werden mit «District 9» vollends befriedigt werden. Doch die Wandlung von ernster Kost zu albernen Bubenträumen ist gelungen.
Kenner werden auch die vielen Anspielungen der Macher (siehe Infobox) erkennen: «The Fly», «Enemy Mine» oder «Starship Troopers» sind nur einige der Filme, aus denen zitiert wird.
Die Mischung aus Dokumentation und Actionfilm ist zunächst gewöhnungsbedürftig, hat aber durchaus ihren Reiz, dem sich die Zuschauer wohl nur schwerlich entziehen können. Ohne bekannte Schauspieler und nur mit beschränkten finanziellen Mitteln gedreht, katapultierte sich der Film in Amerika gleich an die Spitze der Kinocharts. Ob der Film ein bitterböses Spiegelbild der Realität oder doch nur pure Unterhaltung bietet, müssen die Zuschauer hierzulande selber entscheiden.
Info: im Kino Lido 1, Biel. Auch in Lyss.
Simon Dick
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