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Die Päpstin

Monumentales Historienepos: Mit «Die Päpstin» begibt sich der deutsche Regisseur Sönke Wortmann in eine neue Grössendimension.

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Die Verfilmung des Bestseller-Romans von Donna Woolfolk Cross beginnt im Jahre 814 n. Chr. Die junge Johanna ist zu einem Leben als Frau verdammt. Arbeiten, Kinder kriegen und sterben – so scheint ihr Leben vorgezeichnet. Doch Johanna, klug und wissbegierig, lehnt sich gegen ihr Schicksal auf. Erst gegen den gestrengen Vater, der die Familie mit seinem blinden Glauben und mit körperlicher Gewalt terrorisiert, später auch gegen die Kirche, in der eine Frau keinen Platz haben soll.

Als Johanna in Dorstadt die Domschule besucht, lernt sie den Grafen Gerold kennen und lieben. Gerold zieht in den Krieg, und Johanna entschliesst sich, ihrer Bestimmung zu folgen. Als Mann verkleidet tritt sie als Bruder Johannes ins Benediktinerkloster Fulda ein und wird dort zum geachteten Heilpraktiker und Arzt. Als ihre Entdeckung droht, flieht Johanna nach Rom, wo sie Gerold wieder begegnet. Ihre Liebe hindert die junge Frau aber nicht an ihrem Aufstieg: Als Papst Sergius stirbt, wird Johanna zu seinem Nachfolger gewählt. Ihre Gefühle zu Gerold sind aber stärker als die Angst, enttarnt zu werden. Und ihre Feinde warten im Hintergrund auf die Gelegenheit, Johanna vom Thron zu stürzen…

Sönke Wortmann hat «Die Päpstin» zu einem bildgewaltigen Monumentalepos verarbeitet. Schon bei «Das Wunder von Bern» (2003) hat der inzwischen 50-jährige Filmemacher bewiesen, dass er auch mit tricktechnisch komplexeren Projekten zurecht kommt. Und obschon dies sein bisher aufwendigster Film ist, hat Wortmann auch hier alle Zügel fest in der Hand. Zu keinem Zeitpunkt entgleitet ihm die Produktion, und trotz Überlänge von 149 Minuten wirkt der Film straff und treibt seine Geschichte zügig voran.  Im ersten Teil, der Johannas Kindheit beleuchtet, wären ein paar kürzende Schnitte trotzdem von Vorteil gewesen.

Die Rolle der Johanna wird von zwei Jungdarstellerinnen eindringlich eingeführt, bis nach gut 50 Minuten Johanna Wokalek das Ruder übernimmt. Als weibliche Hauptrolle in Til Schweigers Erfolgskomödie «Barfuss» zum Star geworden, und später auf Terror-Abwegen im RAF-Thriller «Der Baader Meinhof Komplex», bekommt Wokalek hier die Gelegenheit, ihr schauspielerisches Können in seiner ganzen Tragweite zu zeigen. Hinter Stars wie John Goodman («Roseanne»,  «The Big Lebowski»), Iain Glen («Resident Evil», «Kingdom Of Heaven») oder David Wenham («The Lord of the Rings») besteht sie problemlos. Wie sehr man sie allerdings als Mann akzeptiert, liegt im individuellen Ermessen des Zuschauers.

«Die Päpstin» wurde bereits in der geschriebenen Form kontrovers diskutiert. Wortmann bedient in seinem Werk keine Seite, sondern lässt dem Publikum die freie Wahl, ob es diese Legende nun als wahr nehmen will oder nicht. Die Geschichte um Emanzipation hinter heiligen Mauern funktonierte als Buch, und wird wohl auch im Kinoformat seine Anhänger finden. Auch wenn diese nicht katholisch sind, und wohl, wie so oft, das Buch als besser einstufen mögen.

Info: Im Kino Beluga, Biel.

Roger Duft

Stichwörter: Filmkritik

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