Sie sind hier

Filmkritik

Der Imker

Endlich ist er auch in Biel zu sehen: Mano Khalils berührender Dokfilm über einen kurdischen Bienenzüchter, der ein hartes Leben, aber ein weiches Herz hat.

Ibrahim Gezer: "Wenn du die Menschen gern hast, dann haben sie dich auch gern".

Der Film beginnt mit einer Autopanne. Ibrahim Gezer, der kurdische Flüchtling, der in der Schweiz ein einfaches Leben führt, hat eben seine wenigen Bienenstöcke verladen, um sie zu verlegen. Doch das Auto bleibt stehen. Die Batterie ist entladen. Fast könnte es ein Symbol sein für das Leben von Ibrahim, das unter keinem guten Stern stand. Er musste aus der Türkei fliehen, weil sein Leben dort bedroht war. Sieben Jahre lang hat er sich versteckt und als er endlich in die Schweiz fliehen konnte, waren zwei seiner elf Kinder und seine Frau tot. Zwei weitere Kinder waren verhaftet worden unter dem Vorwurf, kurdische Terroristen zu sein. Das war für die Mutter zu viel. Sie nahm sich das Leben. Die verbliebenen Kinder und Ibrahim Gezer erhielten in der Schweiz Asyl. Der Film von Mano Khalil fokussiert aber nicht in erster Linie auf die tragische Vergangenheit, sondern begleitet Ibrahim Gezer durch seinen Schweizer Alltag. Eigentlich möchte Ibrahim hier in der Schweiz nichts anderes tun, als was er schon in seiner Heimat tat: Bienen züchten. Doch weil das von den Behörden hierzulande nur als Hobby betrachtet wird, muss Ibrahim in der Fabrik arbeiten. In seiner Freizeit aber pflegt er ein paar Bienenstöcke, besucht Schweizer Freunde und spielt mit seinem Enkelkind. Der Kurde, der kaum deutsch versteht und schon gar nicht spricht, hat eine Lebensphilosophie, die ihn unwiderstehlich macht. «Wenn du die Menschen gern hast, dann haben sie dich auch gern», sagt er einmal.» «So, wie du mit ihnen umgehst, behandeln sie auch dich.» Da erstaunt es nicht, dass der kräftige Mann mit den dicken Augenbrauen und dem traurigen Blick immer wieder Freunde findet, ohne unsere Sprache zu sprechen. Regisseur Mano Khalil schaut mit seiner Kamera einem Menschen in die Seele, ohne dass dieser viel sagen muss. Ibrahim hat ein gutes Herz. Das spürt man, wenn man in seine Augen schaut. Und wenn er spricht, dann am liebsten von seinen Bienen. Er bewundert ihre Ordnung, ihre Intelligenz. Mit blossen Händen greift er in den Stock. Sie greifen ihn nicht an. Und wenn sie mal stechen, «dann hilft das gegen Rheuma.» Khalil gelingt es, wie schon in seinem Meisterwerk «Unser Garten Eden», uns einen Menschen sehr nahe zu bringen, ohne ihn voyeuristisch auszubeuten. Die kleinen Freuden und das grosse Leid eines Flüchtlings, der eigentlich nur in und mit der Natur leben möchte, dürften sich einem sensiblen Publikum ins Gedächtnis brennen. «Der Imker» ist ein melancholischer Film über einen Mann, mit dem es das Schicksal nicht gut gemeint hat. Es gibt viele traurige Szenen, aber auch viel Hoffnung in diesem Porträt, das einen Flüchtling zeigt, der seine «Sprachlosigkeit» mit viel Demut erträgt. «Ich und die Bienen, wir sprechen die gleiche Sprache», sagt er einmal. Man glaubt es ihm aufs Wort. Ibrahims Leben war lange Zeit gefährdet. Das der Bienen ist es noch immer.

Info: In den Kinos Apollo und Lido 2, Biel.

Mario Schnell

Stichwörter: Filmkritik

Nachrichten zu Kino »