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Das weisse Band

Mit «Das weisse Band» führt der österreichische Regisseur Michael Haneke in die Abgründe eines Bauerndorfes in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg.

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Ein einfaches Bauerndorf mitten in Deutschland. Auf den ersten ein Idylle. Noch haben die Dorfkinder etwas zu lachen Aber schon bald schleicht sich Ungemach ins Leben der Bewohner. Das Unheil nimmt  im Jahre 1913 mit einem Reitunfall des örtlichen Doktors (Rainer Bock) seinen Anfang. Seine Hebamme (Susanne Lothar) entdeckt, dass das Pferd mit einem gespannten Seil zu Fall gebracht wurde. Das Seil ist jedoch bald spurlos verschwunden. Wenig später verliert eine Bauersfrau im Dienst des Barons (Ulrich Tukur) im Sägewerk ihr Leben.
Nach diesen unerklärlichen Zwischenfällen kehrt für kurze Zeit wieder Ruhe ein. Das Erntedankfest sorgt ein letztes Mal für Freude. Als kurz danach der kleine Sohn des Barons misshandelt aufgefunden wird, gerät das Dorfleben schleichend, aber stetig aus dem Ruder. Der Dorflehrer versucht, hinter die Geschehnisse zu kommen. Aus den Kindern, die er unterrichtet, ist jedoch nichts herauszubekommen…
Michael Haneke ist kein Mann der grossen Worte. Seine Filme, eigentlich immer schwere Kinokost, bestechen durch eine äusserst nüchterne, schnörkellose und oft schonungslose Betrachtungsweise menschlichen Verhaltens («Bennys Video», «Funny Games», «Le temps du loup»).
Im vorliegenden Fall bedient sich Haneke geschickt des Stilmittels des Schwarzweissfilms. Dies erweist sich in mehrerer Hinsicht als Glücksgriff. 1913 gab es keinen Farbfilm, was sein aktuelles Werk schon per se authentischer erscheinen lässt. Weier vermeidet Haneke in seinen Filmen jegliche technische Kapriolen, und behält so in jeder Phase seiner Erzählung den Blick aufs Wesentliche. Licht und Schatten schliesslich, die zentralen Komponenten bei Schwarzweiss-Bildern, helfen dank des behutsamen Einsatzes nicht nur der Atmosphäre, sondern unterstreichen die Kernaussagen markant.
Und diese Aussagen sind es schlussendlich, die Haneke in seinen Filmen immer am wichtigsten sind. Erziehung war kurz nach der Jahrhundertwende oft keine Frage der Liebe, sondern der strikten Autorität und gnadenlosen Züchtigung. Die ältere Generation hatte ein verbrieftes Anrecht auf bedingungslosen Gehorsam der Jüngeren, und nützte diese gesellschaftlich tief verankerte Machtposition  entsprechend aus.
Die wahren Konsequenzen dieser psychischen, und vielfach physischen Misshandlung sollten sich erst im Dritten Reiche ganzheitlich offenbaren, als sich viele dieser Kinder selber in einer durch das Nazi-Regime generierten Machtrolle wiederfanden.
Haneke verwendet die Rolle des Dorflehrers in «Das weisse Band» nicht nur als treibende Kraft der Handlung, sondern lässt ihn zudem als nüchternen Off-Kommentar die Dinge in fast dokumentarischer Neutralität analysieren. Dieses Stilmittel verstärkt die Beobachter-Rolle des Zuschauers, der in seinem Kinosessel dem Unrecht auf der Leinwand hilflos ausgeliefert ist. Mit diesem Kniff und den grandiosen Leistungen seiner Schauspieler gelingt es Haneke ein weiteres Mal, gänzlich auf explizite Exzesse verzichtend, dem Zuschauer ein Unbehagen enzuflössen, welches nach dem Kinobesuch noch lange nachhallt.

Info: im Kino Beluga, Biel.

Roger Duft
Stichwörter: Filmkritik

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