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«Buddenbrooks»

Mit den «Buddenbrooks» ist einer der ganz grossen deutschen Romane auf die Leinwand gekommen. Ein Film mit alten Kostümen – aber erstaunlichem Bezug zur Gegenwart.

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«Buddenbrooks» (Video)
«Es ist traurig, dass man nur einmal lebt. So manches würde man geschickter anfassen.» Diese Worte spricht Tony (Jessica Schwarz), eines der drei Kinder von Konsul Jean Buddenbrook (Armin Mueller Stahl), wehmütig aus. Die Frau weint einer grossen, unerfüllten Liebe hinterher, einem kurzen Glück, einer schicksalshaften Begegnung. Doch nicht nur sie, sondern die ganze, einst so einflussreiche Familie befindet sich im freien Fall. Überall Tod, Verluste und Niedergang.

Dabei hat alles grandios begonnen: Über Generationen haben es die Buddenbrooks dank geschicktem Geschäftsgebaren und harter Arbeit zur reichsten Familie in Lübeck gebracht. Jean thront über allem, schaut, dass sich seine Kinder standesgemäss liieren («Geld heiratet Geld»), weiss seine Frau Bethsy (Iris Berben) ergeben hinter sich und predigt das Erfolgsmantra: «Haltung, Disziplin und Gleichgewicht».

Seine drei Kinder könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Thomas (Mark Waschke) schlägt ganz dem Vater nach. Besonnen und ehrgeizig, aber ziemlich steif und unfrei geht er den «Weg der Pflicht» und sieht sich selber als «Glied einer Kette». Tony, die «kleine Königin», lässt sich zuerst gegen ihren Willen vermählen, setzt anschliessend eine zweite Ehe in den Sand, nur um dann als Hoffnungsträgerin für einen Neuanfang zu stehen. Christian (August Diehl) schliesslich ist der abtrünnige, missratene Sohn mit dem losen Mundwerk; der Clown, der Zyniker, der Zauderer, der nichts erfolgreich zu Ende bringt.

Mit betulichen, aber schmuckvollen und ausladenden Bildern bringt Heinrich Breloer den grossen Roman von Thomas Mann (der 1929 dafür mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde) ins Kino. Diese visuelle Opulenz ist eigentlich bereits zu viel, doch Breloer (von dem bereits der TV-Dreiteiler «Die Manns – ein Jahrhundertroman» stammt) scheinen seine erlesenen Tableaux nicht genug. So ist die Musik praktisch ausnahmslos reiner Schwulst und erinnert an Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen und das Wetter amtet gar oft als «Dramatikregler».

Das wäre nicht nötig gewesen. Die Geschichte, die ihre Kraft und ihre Dramatik aus dem untrennbaren und schlussendlich verheerenden Konflikt von Pflichtbewusstsein und Wunsch nach persönlichem Glück schöpft, spricht eine genügend starke Sprache. Weniger Dekor und weniger Schwelgerei, dafür mehr Konzentration auf innere Konflikte und Charakterisierung der Personen hätten dem an sich liebevoll gemachten Film gut getan.

Der Aufstieg und Fall der Familie Buddenbrook spielt vor mehr als 150 Jahren, doch «dank» der aktuellen Finanzkrise ist der Film brandaktuell. Die Menschen tragen zwar Kostüme, fahren in Kutschen und zünden des Nachts Kerzen an, doch die Dinge, die sie sagen, sind in diesen Wochen in unzähligen Kommentaren auf allen Wirtschaftsseiten zu lesen: «Das sind doch alles Gauner und Schurken», sagt Christian einmal mit Blick auf die Kaufleute. «Wo kommt sonst der Profit her?»
Besonders ein – oftmals wiederholter Satz – bleibt haften: «Das Geld will sich vermehren» . Dass dem nicht zwingend so ist, müssen wir momentan schmerzhaft erfahren.

Raphael Amstutz

Info: im Kino Lido 1, Biel. 
Stichwörter: Filmkritik

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