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Bienvenue chez les Ch'tis

Ein Film lockt momentan in Biel mehr Publikum ins Kino als jeder andere: «Bienvenue chez les Ch’tis». Und dies, obwohl die Komödie ohne deutsche Untertitel läuft. Ein Phänomen.

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Bienvenue chez les Ch'tis (Video)
Kinobesitzer in der Westschweiz und in Frankreich reiben sich verwundert die Augen: Ein kleiner französischer Film hat es geschafft, zum grössten Kassenschlager seit vielen Jahren zu werden. Es fehlt nicht viel, und er wird sogar zum erfolgreichsten Film aller Zeiten: Die Komödie «Bienvenue chez les Ch’tis» von Dany Boon, die von einem Postbeamten erzählt, der nach Nordfrankreich strafversetzt wird und dort entgegen seinen Vorurteilen gute Erfahrungen macht, hat in Frankreich bereits 17,5 Millionen Menschen ins Kino gelockt. Nur noch drei Millionen fehlen, und er wird Titelhalter «Titanic» vom Sockel stossen.

In der Westschweiz zeichnet sich ein ähnliches Bild: 300000 Eintritte nach sechs Wochen Spielzeit. Wenn ein Film in der ganzen Schweiz soviele Eintritte schafft, spricht man von einem Kassenschlager. Doch allein in der Romandie? Unglaublich. So wurden zum Beispiel in Neuenburg nach sechs Wochen bereits 20000, in La Chaux-de-Fonds 15000 Tickets verkauft. Und in Biel, wo der Film erst drei Spielwochen hinter sich hat, sind es bereits 4230. Der Clou daran: Er läuft hier ohne deutsche Untertitel. Doch niemanden scheint dies zu stören: «Wir haben keine einzige Reklamation erhalten,» sagte Kinobetreiberin Edna Epelbaum auf Anfrage. Im Gegenteil, es kämen immer mehr Deutschschweizer in die Vorstellungen. 

Warum aber ist der Film, der auch die BT-Kritiker begeisterte, so erfolgreich? Wagen wir hier eine Antwort: Der Film ist eine Komödie, hat nicht viel gekostet, ist ehrlich und zeichnet ein positives Menschenbild. Ähnlich wie bei «Amélie Poulain», «Les Choristes» oder «Il postino» (auch ein Pösteler...), stehen Menschen im Mittelpunkt, die es gut meinen. Zudem geht es auch in «Les Ch’tis» um Kulturkonflikte, wie man sie überall auf der Welt antrifft. Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, schlechtes Wetter und ein unverständlicher Dialekt prägen die Vorurteile, unter denen die Bewohner der Grenzregion zu Belgien leiden. Regisseur Dany Boon, der selbst von dort stammt, wollte diese Menschen in einem anderen Licht zeigen. Er tut dies mit einem so menschlichen und herzlichen Humor, dass kaum jemand das Kino enttäuscht verlässt. Im Gegenteil: nach diesen zwei Kinostunden weiss man wieder, was gute Laune ist.

Biel ist im übrigen die einzige Deutschschweizer Stadt, wo der Film bereits zu sehen ist. Eine deutsch untertitelte Version ist frühestens nach der Euro 08 zu erwarten. Wer also mitreden will und ein bisschen Französisch versteht - nichts wie hin!
Mario Schnell
Stichwörter: Filmkritik

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