Erzählt wird die Geschichte von zwei zwölfjährigen Knaben, Elias und Christian, die unter misslichen Bedingungen zu Freunden werden: Der schüchterne Elias wird in der Schule gemobbt. Christian, der mit seinem Vater neu an den Ort zieht, wird Zeuge davon und nimmt sehr schnell Stellung für Elias. Schon bald eskaliert die Situation und Christian schlägt den Mobber spitalreif. Gerne möchte man erleichtert aufatmen, doch damit sind erst die Eckpfeiler eingeschlagen für eine Geschichte, die zunehmend aus dem Ruder laufen wird. Die Knaben sind nicht zufällig so, wie sie sind. Die Eltern von Elias sind beide Ärzte und stehen kurz vor der Scheidung: Der Vater Anton (Mikael Persbrandt) ist oft monatelang abwesend im Hilfseinsatz in Afrika, wo er mit brutaler Gewalt konfrontiert wird. Zuhause steht er konsequent ein für Gewaltlosigkeit. Er hat aber seine Frau Marianne (Trine Dyrholm) betrogen, was diese ihm nicht verzeihen kann.
Christian hat ein ganz anderes Problem: Seine Mutter ist an Krebs gestorben und er macht seinen Vater Claus (Ulrich Thomsen) dafür verantwortlich. Seine Wut darüber hat er nicht unter Kontrolle. Er reagiert mit starken Aggressionen gegen seinen eigenen Vater, aber auch gegen den Vater von Elias, den er als Feigling ansieht, als sich dieser einmal auf dem Spielplatz von einem anderen Mann schlagen lässt, ohne zurückzuhauen. Da beschliessen die beiden Jungs, das Auto des Spielplatz-Schlägers mit Sprengstoff in die Luft zu jagen…
Die ganze Dramatik und Komplexität der Geschichte ist damit nur angedeutet. Aber es ist klar: Susanne Bier spannt auch diesmal wieder einen gewaltigen Bogen. Anton, der in Afrika viele Menschenleben rettet, läuft zuhause Gefahr, nicht nur seine Frau, sondern auch seinen Sohn zu verlieren. Der Film stellt einmal mehr die Frage, wie berufliches Engagement und persönliches Glück zu vereinbaren sind. Es ist ein Melodrama über Zivilcourage, über richtige und falsche Werte und über die Schwierigkeit, die richtigen Entscheide zu treffen im Leben.
Bei aller Härte, Wucht und Bildstärke ist «In A Better World» der vielleicht versöhnlichste Film, den Susanne Bier bisher gedreht hat. Die Geschichte endet nicht in totaler Hoffnungslosigkeit, was mit ein Grund dafür sein dürfte, dass die erfolgreiche Dänin dieses Jahr den Oscar für den besten fremdsprachigen Film entgegennehmen durfte. Ihr Film ist absolut fesselnd, man vergisst die Zeit im Kino, man stellt sich Fragen und findet keine einfachen Antworten – das ist es, was grosses Kino ausmacht. Auch wenn man die Regisseurin zwischendurch fragen möchte: «Wie viel Elend wollen Sie dem Publikum noch zumuten, Frau Bier?»
Info: Im Kino Rex 2, Biel. Nur 15.15 und 17.45 Uhr.
Mario Schnell
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