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Rennweg 26 in Biel

Othello oder die grosse Manipulation

Ab Samstag spielt das junge Ensemble «T.Arte» das Stück «Othello» von Shakespeare am Rennweg 26 in Biel. Eine Tragödie, die an Aktualität nichts eingebüsst hat.
mt. Es geht um Neid, Eifersucht, Intrige und Rassismus. Fünfmal können Bieler und Bielerinnen Shakespeare erleben mit einem jungen Ensemble, das zeigt, was fehlende Selbstsicherhei tauslöst.
Othello ist ein Schwarzer; er ist der Oberbefehlshaber der venezianischen Armee. Als solcher geniesst er Achtung, als Schwarzer aber bleibt er eine Randfigur. Er hat sich heimlich mit Desdemona, Tochter des Senators, vermählt. Desdemona wird auch von anderen begehrt. Jago, den Othello nicht zu seinem Stellvertreter ernannt hat, sinnt auf Rache und versucht, Desdemona gegen Othello auszuspielen, ihre Verehrer gegeneinanderzuhetzen.
Lügen und Intrigen
Es gelingt ihm schliesslich, mit Tricks, Lügen und Intrigen in Othello eine wilde Eifersucht zu wecken, Minderwertigkeitskomplexe zu erzeugen und ihn so in eine krankhafte Raserei zu stürzen. Jago setzt dabei als rigorosestes Mittel ein von seiner Frau gefundenes Taschentuch ein, das Othello Desdemona als erstes Brautgeschenk gegeben hat. Er spielt es Cassio, von Othello ihm vorgezogen, in die Hände. Dem Othello macht er nun in zynischer und zugleich obszöner Weise glaubhaft, seine Frau betrüge ihn mit Cassio. Othello reagiert, wie von Jago geplant, und fällt in blindwütigen Hass auf Desdemona, die für ihn nur noch eine «Dirne aus Venedig» ist…
Die dominante Figur des Stücks ist Jago. Er zieht die Fäden, er führt Regie, ohne ihn würde die Handlung zum Stillstand kommen. Er ist Intrigant, ein Spieler, der mit Lust Menschen manipuliert, sie nach seinem Willen umbaut. Dabei versteht er es, sich so zu zeigen, dass er von allen geachtet wird, bis es zu spät ist. Seine Existenz gründet nicht im Sein, sondern im Schein.
Die Tragödie des Othello lehrt, wie Menschen durch Manipulation um ihr Leben betrogen werden – durch Falschinformationen, durch windige Versprechungen, durch Vorspiegelung einer anderen, etwa nur virtuellen Realität, durch Zerstückelung und Verwirrung der Wirklichkeit.
Eingespieltes Team
«T.Arte» ist eine junge Theatergruppe, bestehend aus elf Personen, die sich für eine lebende, junge Kultur einsetzen. Das Team kennt sich noch aus der Gymnasialzeit. Heute studieren die meisten und brauchen die Bühne als bunte Abwechslung zum grauen Alltag.
Unter der Regie von Michelle Affolter, Studentin der Theater- und Musikwissenschaft, setzen sie jährlich mindestens einen Theatertext szenisch um. Nebst den regelmässigen Theaterproben wird auch ein Bühnenbild entworfen, Kostüme angefertigt und der Flyer kreiert. «T.Arte» will aktiv darstellende Kunst betreiben und beweisen, dass junge Leute nicht faul vor der Glotze rumhängen, sondern sich für Kultur in Biel engagieren.
Info: Sa, 7. August, 20 Uhr, Premiere; So, 8. August, 17 Uhr; Fr, 13. August, 20 Uhr; Sa, 14.8.,0 20 Uhr; So, 15. August, 17 Uhr. Türöffnung und Barbetrieb jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Vorverkauf unter Tel. 078 639 57 93.


Stichwörter: Theater

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