
mt. Das Theater «Zwischen den Welten» integriert Menschen mit Psychiatrieerfahrung. «Gefülltes Herz» ist eine Mischung aus Musik, choreographierten Szenen, eigenen Texten, Gedichten, Zuständen und Humor.
In der aktuellen Produktion machen 15 Laienschauspieler zwischen 18 und 45 Jahren aus der ganzen Deutschschweiz mit, die alle eines gemeinsam haben: Sie leiden oder litten an einer psychischen Krankheit und unter deren Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Konfliktunfähigkeit, Gleichgültigkeit und niedrigem Selbstwertgefühl.
Zusammen mit der Theaterkünstlerin Christina Volk und dem Psychologen Friedrich Kaiser sammelten die Schauspieler bildliche und musikalische Darstellungen aus ihrem Innenleben.
«Möglichst echt»
Es ist eine «Geschichte ohne Anfang und End, die die Schauspieler an Requisiten minimalistisch, an Emotionen aber eindrucksvoll umsetzen», sagt Kaiser. So wird eine weiss gestrichene Umzugskiste vom Partytisch beim Stehempfang zum Traualtar und schliesslich zum multimedial ausgestatteten Sarg, in dem die Interessenten probeliegen dürfen. Die oft abstrakten Inszenierungen von Halluzinationen, Grössenwahn, Isolation und Unsicherheit kreuzen sich mit alltäglichen Ereignissen eines «normalen Lebens» wie Familienausflügen, Kinobesuchen, Einkaufstouren, Bundesfeiern, Hochzeiten oder Beerdigungen. Der surrealste und zugleich konkreteste Teil ist jener, in der eine Kinoverkäuferin mit ihrem Bauchladen in bunten Pillen Aggressionen, Depression, Zwang und Hysterie verteilt. Die 15 Darsteller setzen sich zusammen aus Leuten aus der Region, die sich bereits an früheren Produktionen Kaisers beteiligten, und aus psychisch kranken Menschen aus dem Rest der Schweiz, die sich spontan für die Idee begeisterten.
Seit April treffen sie sich einmal in der Woche, um Ideen auszutauschen und zu proben. Zu Beginn erzählten sie sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten und welche Auswirkungen ihre Erkrankungen darauf haben und hatten. Daraus entwickelten sie dann Ideen für ein Musik-Theater. Das heisst, die Rollen sind genau auf die Menschen zugeschnitten. «Ziel war, die persönlichen Krankheitsgeschichten zu thematisieren», sagt Kaiser. Dabei sollen alle Darsteller möglichst echt wirken. Kaiser: «Ich glaube, das ist uns gelungen.»
Gemeinsam weiterkommen
Die Agentur Psy Promotion fördert seit 2004 zusammen mit Künstlerinnen, Künstlern und weiteren Kulturschaffenden die Integration psychisch beein-trächtigter Menschen durch künstlerisches Schaffen und nachhaltige Beziehungsangebote.
Hintergrund bildet die Tatsache, dass psychisch kranke Menschen oft stark unter der gesellschaftlichen Diskriminierung und Stigmatisierung ihrer Erkrankung (Depressionen, Angst- oder Schizophreniezustände usw.) leiden. Erforderliche Klinikaufenthalte sind nicht selten mit dem Verlust des Arbeitsplatzes verbunden.
Mit dem Theater «Zwischen den Welten»soll der gesellschaftlichen Tabuisierung und Stigmatisierung psychischer Krankheit durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit entgegengewirkt werden. Die im Projekt ermöglichte aktive, eigene künstlerische Tätigkeit kann Energien mobilisieren, welche das Selbstvertrauen dieser Menschen stärken, ihnen damit eine konstruktive Auseinandersetzung mit ihrer Erkrankung gewährleisten und so im Sinne der Rehabilitation einen wesentlichen Beitrag zur sozialen und beruflichen Reintegration leisten.
Was, wann, wo
• Musiktheater «Gefülltes Herz»
• Sonntag, 22. August, 19 Uhr
• ab 17.30 Uhr wird ein filmischer Beitrag auf Grossleinwand zum Thema «Psychisch krank» gezeigt
• Für Ticketreservationen: E-Mail an ticketing@psy-promotion.ch (mt)
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