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"First Ladies" im Theater Le Carré Noir

Erste Frauen in zweiter Reihe

"First Ladies" im Theater Le Carré Noir
Das Theater Le Carré Noir in Biel zeigt die Uraufführung der Farce «First Ladies» von Manfred Koch. Das Stück hinterfragt die Rolle der Frau des politischen Leaders.
Pia Zeugin
Anja Noetzel dachte sogleich an Carla Bruni und Hillary Clinton, als sie das Stück von Manfred Koch las: «Den Frauen haftet etwas Seltsames an, man schreibt ihnen Macht zu, dennoch bleiben sie immer an zweiter Stelle, hinter ihren Männern, den Staatsoberhäuptern.» Bruni darf nicht mehr auftreten, Clinton kam in die Beraterrolle, Michelle Obama gab ihre Karriere auf. Bekannt ist das Damenprogramm als organisierter Event zwischen Information und Unterhaltung, wir lächeln darüber und möchten doch selbst auch dabei sein. Das Thema ist stellvertretend für gewisse Phänomene in der Gesellschaft, wo Frauen in zweiter Reihe stehen. «Es ist zeitbezogen, sozialkritisch und vor allem lustig», sagt die Regisseurin.
Frau als Fussnote
Im eleganten Salon warten drei Ehefrauen von Staatsoberhäuptern auf den Ausgang langwieriger Friedensverhandlungen, während sich ihre Männer beraten. Thema ist der Gefangenenaustausch in den Krisengebieten. Die Damen werden über den Fortgang der Gespräche im Konferenzsaal informiert.
Die First Ladies fühlen sich als Fussnote der Geschichte, abgespiesen mit stupiden Damenprogrammen. Es herrscht Langeweile, bis sie sich über ihre Gatten und ihr ungehöriges Verhalten unterhalten, über deren Rülps- und Furzgewohnheiten ihrer Liebsten und über Politik. Der zuständige Betreuer der Frauen, Barkeeper Lucien, ist gleichzeitig das Objekt ihrer erotischen Phantasien.
Hexen und Teufel
Die Frauen fühlen sich vernachlässigt und möchten selbst im aktuellen Geschehen mitmischen, weil es den Männern scheinbar nicht gelingt, zu Entscheidungen zu kommen. Sie verwandeln sich mithilfe magischer Beschwörungsformeln in Hexen: «Als Paranoia, aus dem Geschlecht der Machthexen, Neurotica, aus dem Geschlecht der Ruhmhexen, und Viagra, aus dem Geschlecht der Geilhexen nehmen sie von jetzt an das Schicksal der Welt in ihre gepflegten Hände», schreibt Noetzel.
Es reicht nicht aus, Satan muss mithelfen, die Männer zu verzaubern. Dann wird Lucien wichtig, der jede Gestalt annehmen kann. Er hat die Idee, durch eine Höllenformel eine Entscheidung im Konferenzsaal herbeizuführen. Dort ist jegliche Haltung verloren gegangen, die Herren bespucken sich gegenseitig und werfen mit Papierkügelchen. Schliesslich bringt sich auch Gott in Spiel.
Drang nach Macht
Zwar sind die Männer am Drücker, die wirklichen Strippenzieher sind aber ihre Frauen. «Ist das tatsächlich so?», fragt die Regisseurin. Das Thema ist zwiespältig, einerseits ist die starke Frau hinter dem starken Mann eine Tatsache, dennoch bleibt die Frage unbeantwortet, ob Frauen, die sich zurückziehen, in die zweite Reihe stellen, dem Mann zudienen und ihre beruflichen Ambitionen aufgeben mit dem Platz auch tatsächlich zufrieden sind.
Die eigene Meinung muss zur Meinung des Partners werden – welcher starke Mann lässt dies auch tatsächlich zu? Die Frage ist, wie die Frauen den Mann manipulieren können, gleichzeitig eigene Wege gehen und so ihre Form von Macht ausüben können.
Geschrieben hat die Farce der Österreicher Manfred Koch, der Theaterautor ist und Werber. Er schrieb das New York-Buch «Manhattamania», den satirischen Politroman «Cyberman» und den X-Mas-Satireband «Total Umweihnachtet». Er ist als Verfasser satirischer Texte bekannt.

Wann und wo
Premiere: Fr, 21.5 Mai., 20.30 Uhr
Sa, 22. Mai, 20.30 Uhr
So, 23. Mai, 17 Uhr
Fr, 28. Mai, 20.30 Uhr
Sa, 29. Mai, 20.30 Uhr
So, 30. Mai, 17 Uhr
Fr, 4. Juni, 20.30 Uhr
So, 6. Juni, 17 Uhr   
Alle Vorstellungen im Theater Le Carré Noir, Obergasse 11, Biel.
Reservationen unter info@carrenoir.ch oder www.carrenoir.ch

Die Farce
Farce, Genre, dramatische Form: tolerant gegenüber Verstössen, zeigt Menschen als eitel, irrational, käuflich, kindisch. Automatismen.
Lächerliche, weit hergeholte Situationen, schnelle, witzige Wortgefechte, physischer Humor.     (pz)
Stichwörter: Theater

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