
mt. Die Kultveranstaltung im Gaskessel Biel besticht durch ein abwechslungsreiches Programm mit Kurzauftritten geladener Gäste aus den Sparten Kabarett, Theater, Akrobatik, Musik, Tanz usw. Mit einer witzigen, theatralischen Moderation führt das Trio Celia Hirt, Michael Wyder und Roman Badertscher durch den Abend und schafft so das Klima des dienenden Gastgebers, der eigentlich die Szene beherrscht.
Am Donnerstag sorgen das Maskentheater «Zwergenhaft», das Akrobaten-Duo Volvere, der Komiker Markus HuberHotz, Hell und Schnell und das Tanz-Duo Freemind für beste Unterhaltung. Mit Überraschungsgästen muss bei diesem Kleinkunst-Spektakel zudem immer gerechnet werden. Für musikalische Stimmung sorgt an der Afterparty Dr. Love.
Körperliche Feinarbeit
Selbst gefertigte Masken und Figuren bilden die Grundlage des künstlerischen Schaffens von Zwergenhaft. Auf der Probenbühne werden diese sorgfältig auf ihre Spielbarkeit hin überprüft. Der individuelle Charakter und die emotionalen Möglichkeiten jeder Maske oder Puppe werden dabei aufmerksam ausgelotet. Durch äusserst präzise, körperliche Feinarbeit erwachen die an sich starren Maskengesichter und leblosen Puppen zum Leben und vermögen auf der Theaterbühne zu überzeugen.
In ihrem Programm «Happy End» knirschen die dritten Zähne, und die alten Knochen klappern im Takt dazu. Im Altersheim Happy End – einer Institution, die sich speziell ausrangierter, lampenfiebriger Varietékünstler erbarmt, ist an einen Lebensabend ohne Glanz und Glamour nicht zu denken. Abtreten gilt nicht: Die Sternchen von gestern treffen sich unermüdlich im Aufenthaltsraum, ganz nach dem Motto «The show must go on!».
Zwar hat der Zauberer sein Karnickel überlebt, und der Kunstschütze hat den Hexenschuss. Der Akrobat leidet an Nackenstarre, die Primaballerina drücken die Hühneraugen, und das Publikum, wenn es denn nicht gestorben ist, drückt ein Auge zu. Und statt Rosen für die Diva gibt es nunmehr Salben gegen Arthrose. Aber selbst Arthritis beugt den Artisten nicht.
Freemind ist eine Formation aus Tänzern der Capsule Corporation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Tanz, Theater und Poesie zu vereinen. Die tänzerische Basis ist Breakdance. Durch weitere Stile wie Popping, Locking, House, Ballet, Jazz und zeitge-nössischem Tanz wird das Bewegungsmaterial spektakulär ergänzt. Das aktuelle Stück wird von Daniel Kurt alias «Shini» und Marc Ugolini alias «Slim» aufgeführt und handelt mit der Thematik «Wie sehr beeinflussen mich meine Gedanken beim Tanzen». Zu geniessen sind schöne und anregende Gedankengänge mit einer Ladung Spass und Action auf der Bühne.
«Hell und Schnell»
Hell und Schnell sind Bühnenarbeiter in einem Varieté. Vorerst geschieht fast nichts, zu zweit wird etwa das Mikrophon für die Sängerin, ein Stuhl des Zauberers weggetragen oder ein Kabel umständlich verlegt. Das Duo mit den blauen Schürzen, stieren Käppis und geschmacklosen Kinnbärten lässt sich Zeit, ledig gebliebene Zwillinge aus dem Hinterland eben. Kommuniziert wird in Kurzform oder in holprigen Reimen mit abschliessendem Gassenpfiff. Bald merkt man, helles und schnelles Arbeiten ist nicht ihr Ding. Aber mit fortschreitendem Abend wirds interessant. Da wird die Bühne zu Marschmusik mit einem Zweifachbesen geputzt, Bananen auf den Boden geschraubt, oder etwa in einer Kettenrechnung ungehemmt Ladenpreis mit Stromstärke addiert und auf den Nenner gebracht.
Infos: Dog, 26. Januar, Gaskessel, Biel. Türöffnung 20 Uhr, Show 21 Uhr. Link: www.eshuerecabaret.ch
- Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.

