Alice in Wonderland

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Der jungen Erwachsenen kommt der Fall gerade recht, kann sie sich doch so in ihrem bürgerlichen Leben um wichtige Entscheidungen wie Liebe, Verantwortung und Ehrlichkeit drücken. Laut einer uralten Prophezeiung soll Alice im Unterland nun nicht nur die tyrannische Herzkönigin mit Riesenkopf (Helena Bonham Carter) vom Thron fegen, sondern gleichzeitig auch noch das Monster Jabberwocky besiegen, welches in der Originalfassung mit der markanten Stimme von Christopher Lee für Gänsehaut sorgt.
Auf ihrer Reise durch eine chaotische Welt trifft Alice auf eine Vielzahl von schrulligen Figuren, Fantasiewesen, sprechenden Tieren und Menschen mit übergrossen Gliedmassen und sonstigen monströsen Körperteilen. Da hat Altmeister Burton wiedermal tief in die Trickkiste gegriffen und präsentiert ein gewohnt skurriles Universum, in dem jedes kleinste Lebewesen mitsamt Flora und Fauna seinen vorbestimmten Platz innehat. Die 3D-Version des Films sorgt für zusätzlichen optischen Genuss. Aber auch ohne die dritte Dimension bleibt der Film ein farbenfrohes Spektakel.
So wunderschön Ausstattung, Kulisse und Tricktechnik sind, «Alice in Wonderland» leidet an einer – inhaltlich – farblosen Geschichte, die die Originalität früherer Burton-Werke vermissen lässt. Das Gefühl, der Regisseur habe den Film alleine wegen den optischen Spielereien und Möglichkeiten abgedreht, sorgt rasch für einen faden Beigeschmack.
Auch Johnny Depp bleibt als verrückter Hutmacher weit hinter seinem schauspielerischen Können. Seinen Wahnsinn nimmt man ihm nicht ab, seine Mimik bleibt hinter zwei riesigen grünen Augenlinsen und dicker Schminke verborgen. Da kann auch die Gestik nicht mehr viel retten. Und wenn er gegen Schluss eine aberwitzige Tanzeinlage präsentiert, lässt sich nur erahnen, was man alles aus diesem Charakter hätte herauskitzeln können. Selbst die Filmmusik von Danny Elfman, Burtons Lieblingskomponist mit Ohrwurmgarantie, nimmt keinen wichtigen Stellenwert ein. Das Filmende spult nicht nur sämtliche Merkmale eines Fantasyfilms herunter und wiederkäut sie schamlos, sondern hinterlässt auch eine Vielzahl von Fragezeichen.
Da blutet dem Burton-Fan das Herz, wenn sein Lieblingsregisseur der Optik den Vorrang lässt und auf eine intelligente Geschichte mit künstlerischem Anspruch und Ausgang verzichtet. Betrachtet man Burtons Filmschaffen als Einheit ist sein jüngstes Werk mit Abstand eines der schwächsten und wird wahre Fans enttäuschen. Oder um es mit den Worten des verrückten Hutmachers zu formulieren: «Das sind Dinge, die mir die Nerven ruinieren».
Info: Im Kino Rex 1, Biel. Auch in Lyss und Grenchen.
Simon Dick
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