Filmkritik 05.02.10 13:27 Galerie

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Up in The Air

Ryan Bingham tut in «Up in The Air» nichts anderes, als Menschen zu entlassen. Ein charmanter George Clooney schafft es, diesen Mann ziemlich sympathisch erscheinen zu lassen.

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«Hire and Fire» (heuern und feuern) steht für die liberale Anstellungspolitik in den USA, die es Unternehmen erlaubt, bei Bedarf Arbeitnehmer schnell zu entlassen – im Gegensatz zur Sozial-partnerschaft in Europa mit nach Anstellungsdauer abgestuften Kündigungsfristen und anderen Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer. Das macht eine Kündigung über Nacht zum Existenzproblem, wie in «Up in The Air» klar gemacht wird.
Für Chefs, die zu feige sind, um ihren Angestellten dabei in die Augen zu schauen, gibt es da eine Firma, die darauf spezialisiert ist, die schlechte Botschaft schonend zu überbringen – mit dem Ziel, dass dem Arbeitgeber möglichst wenig Scherereien entstehen.
Jetzt, da es der amerikanischen Wirtschaft so schlecht geht wie schon lange nicht mehr, frohlockt der Direktor der Entlassungsfirma: «Das ist unsere Zeit!» Ein Gipfel des Zynismus.
Doch diese Gesellschaftskritik steht in «Up in The Air» nicht im Mittelpunkt, sondern der beste Mann im Team der Entlassungsfirma, Ryan Bingham (George Clooney). Er kennt alle psychologischen Tricks – «Das ist Ihre Chance für einen Neuanfang!» Nach Erledigung seiner Aufgabe verschwindet er, steigt in den nächsten Flieger, in das nächste Mietauto, checkt im nächsten Hotel ein.
Flughafen-Lounges und nette Hotels sind sein Zuhause. Am schlimmsten sind für ihn die wenigen Tage im Jahr, die er in seiner kleinen Wohnung verbringen muss. Sein einziger Traum ist es, im Vielflieger-Programm zehn Millionen Meilen zu sammeln - etwas, das weniger Menschen erreicht haben, als auf dem Mond gelandet sind.
Ein kalter Fisch, würde man sagen. «Nie erwachsen geworden und bindungsunfähig», werfen ihm die Frauen vor. Aber mit seinem Charme und seiner jungenhaften Unbeschwertheit vermag George Clooney diesem Charakter viel Liebenswertes zu geben.
Regisseur Jason Reitman (1977, gilt als eine der grössten Regiehoffnungen in Hollywood) zeigt, wie Binghams Weltbild Risse bekommt. Zuerst bedrohen eine ehrgeizige Uniabgängerin (Anna Kendrick) und eine neue Tech-nologie seine für ihn bequeme Stellung in der Arbeitswelt. Dann sind es emotionale Probleme, die den überzeugten Junggesellen zur Einsicht bringen, dass Zweisamkeit vielleicht doch eine Option wäre.
Unterwegs lernt Bingham eine Frau (Vera Farmiga)  kennen, die sein weibliches Gegenstück ist: ständig unterwegs, cool und sexy - und einem Abenteuer nicht abgeneigt. Dies weckt den Wunsch nach weiteren Begegnungen. Damit werden aber emotionale Fallstricke ausgelegt.
«Up in The Air» ist weder so satirisch wie «Thank You for Smoking» noch so menschlich berührend wie «Juno», die ersten beiden Filme von Jason Reitman. Doch er verbindet eine originelle Story mit ein paar tiefgründigen Gedanken.
Die drei erwähnten Schauspie-ler sind für den Oscar nominiert. Sie spielen ihre Rolle perfekt, ohne dass ihnen dabei besonders viel Können abverlangt würde. Auch Reitmann ist nominiert: als Mitautor des von einem Roman adaptierten Drehbuchs, für die Regie und für den besten Film.

Info: Im Kino Lido 1, Biel.

Stefan Rohrbach




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