Looking for Eric

Bilder: zvg
1 von 7
Weiterlesen
| Reklame |
Der Pass für den cinéastischen Schuss ins Schwarze kam denn auch vom Ex-Profi und Enfant terrible des Fussballs. Er klopfte bei Ken Loach mit einem Script an. Die britische Regie-Ikone war begeistert, weniger vom Script als von der Idee, mit Cantona einen Film zu drehen. So schrieb Loachs Lieblingsautor Paul Laverty dem ehemaligen Kicker das Drehbuch auf den Leib.
Nebst dem Fussballhelden steht – typisch für den linken Loach – ein kleiner Mann aus dem Arbeitermilieu im Zentrum der Story: Eric Bishop (Steve Evets). Der liebenswerte, ausgemergelte Postbeamte läuft auf den Felgen. Die beiden pubertierenden Stiefsöhne trampeln dem allein erziehenden Vater auf der Nase herum, während er seiner grossen Liebe Lily (Stephanie Bishop) nachtrauert. Trotz intensiver Aufmunterungsbemühungen seiner Kumpels, huscht Eric nur selten ein Lächeln über das Gesicht. Der depressive Fussballfan klagt sein Leid seinem grossen Idol Eric Cantona, der als Riesenposter in seinem Zimmer prangt.
Und siehe da, nach ein paar Zügen von einem Joint, steht der Manchester-United-Star plötzlich leibhaftig vor ihm. Als imaginärer Freund weicht Cantona von da an nicht mehr von Erics Seite. Der Held baut das Selbstvertrauen des Antihelden mit philosophischen Fussballweisheiten auf und zeigt ihm, wie er Lily zurückgewinnen kann.
Meisterhaft verschmelzt Ken Loach in seiner skurrilen Tragikomödie verschiedene Genres zu einem wunderbaren Ganzen mit klug gezeichneten Figuren und Dialogen, die zum Tore schiessen sind. Durch die Originaleinspielungen aus Cantonas Premier-League-Zeit erhält der Film dokumentarischen Charakter. Aus der anfänglichen Charakterstudie Eric Bishops entwickelt sich eine Milieustudie der englischen Arbeiterschicht, die sparsam gespickt ist mit Seitenhieben auf die Kommerzialisierung des Fussballs. In einem zweiten Erzählstrang wird der Film zum Thriller und mündet im grossen Showdown, der «Operation Cantona». Und nicht zuletzt ist «Looking for Eric» ein erdenschöner Liebesfilm.
Im Stil des magischen Realismus bildet der 73-jährige Regisseur nüchtern ab, was ist und kombiniert es mit surrealen Elementen. Das Fussballmärchen dauert nicht nur 90, sondern ganze 116 Minuten. Und das ist ein Glücksfall, denn der Film bietet alles, was ein gutes Fussballspiel auch haben muss: Qualität, Spannung, Emotionen, überragende Spieler und wunderbare Treffer. Volltreffer.
Info: im Kino Rex 2, Biel.
Simone Tanner
senden drucken zurück
Diesen Artikel kommentieren(0)
Dieser Artikel kann als E-Mail verschickt werden.
