Filmkritik 18.09.09 15:01 Galerie Kommentare vorhanden

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Welcome

«Welcome» heisst der Film, der morgen am Festival du Film Français d’Helvétie die Gemüter bewegen dürfte wie kein zweiter. Das Meisterwerk von Philippe Lioret wurde in Frankreich zum Politikum.

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Sein Thema: Frankreichs Flüchtlingspolitik. Seine These: Frankreichs Asylgesetzgebung ist unmenschlich. Nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die Einheimischen. Denn in Frankreich können Bürger, die Menschen helfen, die sich illegal im Land aufhalten, schwer bestraft werden.
Zum Politikum wurde «Welcome» nicht zuletzt, weil er eine Geschichte erzählt, die auf solchen Fakten basiert. Ausgelöst wurde die Debatte hingegen, weil der Regisseur des Films in einem Zeitungsinterview zum Besten gab: «Ich habe das Gefühl, die Geschichte eines Mannes erzählt zu haben, der im Jahre 1943 einen Juden in seinem Keller versteckte.» Dieser Satz brachte den Minister für Einwanderung, Eric Besson, auf die Palme. Es kam zu einem öffentlichen Schlagabtausch und der Film wurde in der Folge zum Kassenschlager.
Dies allerdings zu Recht. Denn seit Xavier Kollers «Reise der Hoffnung» (1990) hat man kein Kinodrama mehr gesehen, das das Elend von Flüchtlingen und die Hilflosigkeit der westlichen Welt im Umgang mit diesen Menschen besser auf den Punkt gebracht hätte.
«Welcome» erzählt die Geschichte des 17-jährigen Kurden Bilal (Firat Ayverdi), der versucht, von Calais aus illegal nach England zu gelangen. Dort wartet seine Freundin auf ihn. Weil ihm ein Fluchtversuch in einem Lastwagen misslingt, will er nach England schwimmen. Ein Schwimmlehrer, der gerade in einer Scheidungskrise steckt (stark: Vincent Lindon), bringt ihm das Schwimmen bei. Wohl in erster Linie, weil er damit seine (baldige) Ex-Frau, die ein Herz für Flüchtlinge hat, beeindrucken möchte.
Nach und nach begreift Simon, wer der Kurde ist, was er tatsächlich will und was man als Franzose riskiert, wenn man rechtlose Menschen unterstützt, die nichts zu verlieren haben – ausser ihr Leben.
«Welcome» ist ein Film, der von einer beklemmend-grandiosen Dramaturgie lebt. Jede Frage, die im Kopf des Zuschauers auftaucht, jedes «das kann doch nicht sein» wird aufgelöst. Und der Film hat Bilder und Dialoge, die man nicht mehr vergisst. Einmal sagt Bilal, er sei 4000 Kilometer zu Fuss gegangen, um nach Europa zu kommen. Aus Liebe zu einer Frau. «Und ich bin nicht mal über die Strasse gelaufen, um meine Ehe zu retten», erwidert Simon lakonisch.
Der Film zwingt das Publikum in selten gesehener Stringenz und Vielschichtigkeit, sich unbequemen Fragen zu stellen: Wie würde ich reagieren, wenn mich ein Flüchtling um Hilfe bitten würde? Mit Nächstenliebe? Mit Gesetzestreue? Mit Gastfreundschaft? Oder gar mit Rassismus? Der Titel des Films, «Welcome», kommt einem in diesem Zusammenhang vor wie blanker Hohn. Verpassen Sie die kurze Szene nicht, wo er aufgelöst wird. Nachher wissen Sie definitiv, was eine Worthülse ist.

Info: Im Kino Rex 1, morgen Sonntag um 11 Uhr.

Mario Schnell




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René Muster 19.09.2009 19:31 antworten / melden
Gähn...
wie langweilig, ein weiteres einseitig dargestelltes Tränendrücker-Flüchtlingsmovie. Wohl ohne sich die Frage zu stellen, ob es nicht der feige/bequeme Weg ist, statt besser im eigenen Land endlich für Ordnung zu Sorgen, damit es keinen Grund für Flucht mehr gibt. Was gewisse Länder aktuell durchmachen hat Europa schon länger hinter sich, wären da alle geflüchtet. Ist sicher einfacher die Schuld bei anderen zu suchen. Wenn alle nur noch flüchten, sind zum Schluss alle auf der Flucht. Brave New World.
René Muster 19.09.2009 19:34 melden
Im übrigen...
wurde der Begriff Flüchtling ohnehin etwas ad absurdum geführt, wirkliche Flüchtlinge gibt es nicht mehr viele, es sind die meisten Wirtschafts-Flüchtlinge, somit eine äusserst kontraproduktive Art/Idee einen (Landes-)Zustand mit Flucht verbessern zu wollen. Aber (die weichen) Frauen fallen immer wieder auf die gleiche (Mitleids-)Masche rein, wie armselig.
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