Impfen oder nicht?

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(mt) Die Fachleute am Inselspital, Universitätsspital Bern rechnen damit, dass Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Polyarthritis von der "Schweinegrippe" heftiger heimgesucht werden als Immungesunde.
Grund: Ihre Krankheiten wurzeln in einer Überaktivität des Immunsystems, welches deshalb mit Medikamenten "herabgefahren" werden muss. Dadurch sinkt aber auch die Abwehr gegen Krankheitserreger wie beispielsweise Grippeviren. Besonders viele derartige Patienten betreut die Universitätsklinik für Rheumatologie, klinische Immunologie und Allergologie (RIA) am Inselspital Bern. RIA-Direktor und -Chefarzt Prof. Peter M. Villiger hat deshalb die RIA-Patienten im September schriftlich über Chancen und Risiken der Impfung informiert und ihnen empfohlen, sich beim Hausarzt gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen.
Gleichzeitig wurde ihnen die Impfung gegen die Schweinegrippe im Inselspital angeboten, sobald der Impfstoff verfügbar sei. Dies ist nunmehr der Fall. Das Angebot der Impfung gilt laut Prof. Kathrin Mühlemann, Co-Leiterin des Universitätsinstituts für Infektiologie und Leiterin der Spitalhygiene am Inselspital auch für andere Risiko-Patienten, die zurzeit im Inselspital regelmässig behandelt werden, beispielsweise Schwangere und Krebskranke mit Chemotherapie. In der Regel sollen sich Patienten und die Bevölkerung aber nicht im Spital impfen lassen, sondern beim Hausarzt. Internationale Impfstudie
Die RIA hat alle Rheuma-Patienten des Inselspitals, die gegen ihre Krankheit immununterdrückende Medikamente einnehmen, zur Teilnahme an einer Impfstudie eingeladen. Durch Laboruntersuchungen soll detailliert festgestellt werden, welche Patienten wie stark auf die Impfungen ansprechen und dadurch vor Grippeviren geschützt sind. Das Ergebnis soll den Fachleuten helfen, die Medikamentierung und den Impfschutz bei dieser Gruppe von Risikopatienten weiter zu verbessern. Für die Untersuchung benötigt werden je 50 Patientinnen oder Patienten mit folgenden Rheuma-Erkrankungen: erstens Rheumatoide Arthritis, zweitens Spondylarthropathien (Morbus Bechterew und verwandte Erkrankungen), drittens Vaskulitiden, Konnektivitiden oder andere autoimmune oder autoinflammatorische Krankheiten. Als Kontrollgruppe dienen 50 gesunde Freiwillige, die vorwiegend aus dem Spitalpersonal rekrutiert werden.
Impf-Allergiker sind von der Teilnahme selbstverständlich ausgeschlossen. Parallel dazu untersucht das Centre National de Réference pour Maladies Rares in Paris in einer gleichartigen Untersuchung 200 Patientinnen und Patienten mit anderen Erkrankungen des Immunsystems. Die Resultate werden gemeinsam ausgewertet und sollen voraussichtlich 2010 veröffentlicht werden.
Häufige Impf-Fragen
Prof. Peter Villiger beantwortet die häufigsten Impf-Fragen seiner Patienten wie folgt:
Ist es sinnvoll, eine Impfung durchzuführen?
Ja, auf jeden Fall. Es ist sinnvoll, beide Grippeimpfungen durchzuführen (saisonale Grippe und "Schweinegrippe") .
Wirkt eine Impfung überhaupt, wenn immununterdrückende Medikamente eingenommen werden? Und soll man die immunwirksamen Medikamente reduzieren, damit das Körperabwehrsystem gestärkt wird?
Bei intensiver medikamentöser Therapie ist es durchaus möglich, dass die Impfung weniger Schutz bietet als beim Immungesunden. Das ist aber kein Grund, die Medikamente zu reduzieren oder gar abzusetzen, denn dadurch würde das Risiko für einen Krankheitsschub erhöht.
Kann die Impfung einen Schub der Immunerkrankung auslösen?
Bei fortgesetzter Therapie ist dies unwahrscheinlich.
Kann die Grippe selbst zu einer Aktivierung der Autoimmunerkrankung führen?
Wir gehen davon aus, dass die Grippe ein Risiko für eine Krankheitsaktivierung darstellt.
Soll man bei Verdacht auf Grippe sofort mit einer Tamiflu-Behandlung beginnen?
Eine Tamiflubehandlung soll nur nach klinischer und labormässiger Untersuchung beim Hausarzt oder beim betreuenden Rheumatologen begonnen werden.
Links:
Alle Infos zur aktuellen Schweinegrippe
Die ersten Bieler Schüler mit Schweinegrippe
Audio:Schweinegrippe Impfung: Beirag von Canal3
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