Tierisches Management

Robert Zaugg, Bild: BT/a
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Analogien aus dem Tierreich
Vermutlich haben Sie die verschiedenen Mitglieder der Geschäftsleitung Ihrer Unternehmung auch schon mit Tierarten verglichen, denen verschiedene Wesensarten attribuiert werden. Da gibt es unter anderem den gutmütigen Bären, den listigen Fuchs, den selbstverliebten Pfau, den starken Löwen, die bis zum Untergang loyalen Lemminge, den unterhaltsamen Affen, die in sich gekehrte, risikoaverse Schildkröte und die weitsichtige Giraffe. Es sei der Phantasie jedes Einzelnen überlassen, diese Tierarten einzelnen Unternehmensfunktionen zuzuordnen, um deren Besonderheiten zu umschreiben. Ein wichtiger Vorteil dieser Analogien ist, dass sie es erlauben, komplexe Kombinationen von charakterlichen Eigenschaften anschaulich und dadurch fassbar zu machen. Das Bild der aufgeregten Hühner lässt sich einfach verstehen und kommunizieren.
Training mit Tieren
Auch im Managementtraining kommen zunehmend Tiere zum Einsatz. Während sich gewisse Tierarten vor allem beobachten lassen (Wildtiere wie Vögel, Wölfe, Gorillas etc.) – hier findet die Interaktion lediglich auf einer mentalen Ebene statt – ist bei anderen Tierarten eine direkte, physische Interaktion möglich (Delphine, Pferde, Hunde, Hasen, Kaninchen, Lamas etc.). In der Behandlung psychischer Erkrankungen und Störungen des Sozialverhaltens hat die tiergestützte Therapie eine lange Tradition.
Bezogen auf das Managementtraining lassen sich beispielsweise Führungsrollen oder Führungsstile reflektieren sowie die eigene emotionale Kompetenz oder die Kommunikationsfähigkeit stärken. Greifvögel geben ungefiltertes Feedback und reagieren sehr authentisch auf das menschliche Gegenüber. Hunde brauchen eine absolut konsequente und dominante Führung, die aber auf einer partnerschaftlichen, respektvollen Beziehung basiert. In der Kommunikation mit Hunden sind klare und eindeutige Aussagen notwendig. Wölfe zeigen uns, wie Teams (hier Rudel) funktionieren, und liefern klare Regeln für den Umgang mit Konflikten.
Hierarchie im Wolfsrudel
Ein Wolfsrudel weist eine komplexe Sozialstruktur und eine klare Hierarchie auf. Es wird von einem männlichen und einem weiblichen AlphaTier geführt (Präsident des Verwaltungsrates). Der Beta-Wolf ist als CEO für die operativen Geschäfte verantwortlich. So werden Sanktionen nicht vom Alpha-Wolf umgesetzt, sondern an den Beta-Wolf delegiert. Schliesslich existiert im Rudel noch der Omega-Wolf. Er steht zuunterst in der Hierarchie und nimmt die Rolle des Sündenbocks wahr. Die anderen Wölfe reduzieren Konflikte untereinander, indem sie ihren Unmut nicht ins Team tragen, sondern den Omega-Wolf zum Aggressionsabbau benutzen. Ein undankbarer Job! Anders als bei vergleichbaren Situationen in menschlichen Hierarchien, kann der Omega-Wolf kündigen und ein eigenes Rudel gründen. Wenn dies gelingt, wird er direkt zum Alpha-Wolf. Ein gewaltiger Karrieresprung.
Omnipräsenter Silberrücken
Ähnlich wie bei den Wölfen, wird eine Gruppe von Gorillas von einem Alpha-Tier, dem Silberrücken, geführt. Es handelt sich hierbei um das älteste, erfahrenste und stärkste Tier. Der Silberrücken sorgt für Ordnung, verteidigt die Gruppe gegen Bedrohungen und prägt die Nachkommenschaft. Während Gorillas in ihrer Jugendzeit Grenzen ausloten und für Unruhe sorgen, entwickelt sich beim Silberrücken ein grosses Verantwortungsbewusstsein. Übertragen auf das Management, sind menschliche Silberrücken (Geschäftsleiter bzw. -leiterinnen) mit einer hohen Exekutivmacht ausgestattet, sie verfügen in der Regel über grosse Erfahrung, können den Markt gut einschätzen und bestimmen die Nachfolge von Kaderpositionen.
Es zeigt sich, dass das Management viel von der Tierwelt lernen kann. Vielleicht sollte daher das nächste Managementseminar durch einen Besuch im Zoo mit einer systematischen Beobachtung einzelner Tierarten ersetzt werden.
Übrigens: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Je höher der Rang eines Tieres im Rudel, umso aufrechter ist seine Körperhaltung.
INFO: Prof. Dr. Robert J. Zaugg ist Dozent für Personalmanagement und Organisation an der Universität Freiburg. Er lebt in Interlaken. robert.zaugg@swissonline.ch.
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