Phantasien über Robert Walser

Bilder: BT/a
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Auf den Säulen, die sich überall in der Stadt finden lassen, selbst wenn sie nicht gesucht werden, weisen Pfeile zu Strassen, Sehenswürdigkeiten oder öffentlichen Gebäuden. Und es weisen Pfeile zu anderen Stadtteilen. So ist auf der Stele am Robert-Walser-Platz der Hinweis zu finden, man müsse, um die Altstadt zu finden, in Richtung Bahnhofunterführung gehen und diese wohl durchschreiten – Letzteres muss sich der Fussgänger indes selber zusammenreimen. Auf dem Bahnhofplatz hilft die nächste Säule weiter, die den Weg Richtung Bahnhofstrasse weist, und es darf wohl angenommen werden, dass weitere Pfeile folgen, die von Stele zu Stele führen. Tut der Fussgänger ebendies, dann wird er irgendwann in die Altstadt gelangen, so er dies denn überhaupt möchte.
Auf der Robert-Walser-PlatzHinweistafel findet sich ausserdem ein Pfeil, der zur Innenstadt weist. Moment. Gab nicht die nämliche Säule die Information, dass sich der Robert-Walser-Platz in der Innenstadt befindet? In blassgrauen Buchstaben steht es geschrieben. «Innenstadt». Genau. Mittels des neuen Bieler Fussgängerleitsystems ist es demnach möglich, von der Innenstadt zur Innenstadt zu gelangen. Ich gehe und komme an, obwohl ich schon dort bin, jeder Schritt führt mich dem Ziel näher, an dem ich bereits angekommen bin. Ich muss gehen, um dort hinzukommen, wo ich bereits war, bevor ich zu gehen begann. Gebannt bleibe ich stehen.
«Es beliebt Ihnen, auf offener Strasse Ihre Phantasien und Träumereien vorzuzeigen. Das ist unklug», sagt Robert Walser zu mir. Und er fährt fort: «Sie müssen die Zeit, in der Ihnen gegönnt ist zu leben, besser begreifen lernen». Wohl wahr, Robert Walser habe ich nicht getroffen, er sagte dies alles nicht zu mir, er schrieb es einst, doch dabei dachte er, wenn man denn solches unterstellen dürfte, möglicherweise an die Bieler Stelen, die seine Geburtsstadt dereinst zieren würden, und an eine Fussgängerin, die selbige betrachtet. Und vielleicht hätte er sich gar bemüssigt gefühlt haben können, darob selbst zur Feder zu greifen. Denn was könnte besser zur philosophischen Frage passen, warum ich gehen muss, wenn ich doch stehen bleiben könnte, um ein Ziel zu erreichen, an dem ich bereits angekommen bin, als Robert Walsers Zeilen: «Wer nie verloren gehn will, kann sich auch nicht finden. Also will ich mich verlieren».
INFO: Bettina Epper schreibt fürs BT-Regionalressort und ist froh, dass sie die Stelen animierten, wieder Robert Walser zu lesen.
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